Ignite – A War Against You (2016, Century Media)

ignite-a-war-against-you„I’m still a smalltown Hardcore refugee. So proud of where I’m from.“ – Zoli in „Where I’m From“

Meine Fresse, das hat gedauert! Fast 10 Jahre sind ins Land gezogen, seit IGNITE ihr Meisterstück „Our Darkest Days“ vorstellten. Was folgte waren extensive Tourneen rund um den Globus – und der 2009 vollzogene Einstieg von Frontmann Zoli Téglás als Jim Lindberg-Ersatz bei PENNYWISE. Mit denen nahm er, sehr zum Unwill einiger IGNITE-Fans, das famose Album „All or Nothing“ (2012) auf. Nur der ersehnte Nachfolger von „Our Darkest Days“ ließ weiter auf sich warten. Das änderte sich auch nicht, als Zoli ab 2013 wieder in Vollzeit bei IGNITE am Mikro stand.

Bei Laune gehalten wurde die Anhängerschaft mit einer starken Live-DVD/-Platte („Our Darkest Days Live“, 2012) und zahlreichen Konzerten. Entsprechend frenetisch verbreitete sich die Kunde, als die Band 2014 die Arbeiten an einem neuen Langspieler ankündigte. Die sollen jedoch nicht ganz reibungsfrei verlaufen sein, so dass „A War Against You“ erst jetzt seinen Weg in die Musikspieler dieser Welt findet. Aber das Warten auf Album Nummer 5, so viel sei vorab verraten, hat sich mehr als gelohnt. Weniger als ein konsequent mitreißendes Stück Hardcore-Punk wäre aber auch einer gewaltigen Enttäuschung gleichgekommen.

Aber Zoli & Co. präsentieren sich eine Dekade nach Veröffentlichung ihrer letzten Studiokonserve derart leidenschaftlich und frisch, dass man um Superlative nur schwerlich herum kommt. Das eigentlich verblüffende daran ist jedoch, dass „A War Against You“ vom Erfolgsrezept des Vorgängers nur marginal abweicht. Denn auch diesmal setzen die Kalifornier mehr auf Melodie (die Gitarrenarbeit ist schlicht hervorragend!) als grobe Härte und haben mit Sänger Zoli ein Aushängeschild bei der Hand, das jeden Song zum wahrhaft hymnischen Erlebnis macht. Dabei hält stärker als zuvor der Rock Einzug. Der mehrstimmige Beginn des eröffnenden „Begin Again“ etwa wirkt, als wollten IGNITE den Klassiker QUEEN in Richtung Hardcore beugen.

„Oh No, Not Again“ hingegen weckt streckenweise Erinnerungen an Stadion-Rock in SCORPIONS-Manier. Doch soll das keineswegs negativ klingen, denn etwas anderes als eine lupenreine Verkettung von Hits bietet die Scheibe nicht. Einzelne Nummern herauszustellen, scheint schwierig, doch kristallisieren sich mit „Nothing Can Stop Me“, „Alive“, „You Saved Me“ oder „How is This Progress?“ schnell (persönliche) Favoriten heraus. Das balladeske Moment hält in Form von „Work“ ebenfalls wieder Einzug, wobei sich einmal mehr zeigt, dass IGNITE in sämtlichen Geschwindigkeitsspektren zu Hochform auflaufen.

Die Vorab-Single „Where I’m From“ gibt es als Hidden Track noch in Zolis Muttersprache Magyar zu hören, was die Verbundenheit zu seinen Wurzeln spürbarer denn je veranschaulicht. Das zeigt sich auch bei den teils persönlicher gefärbten Texten, die sich neben Flucht und Vertreibung bewährten Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Umweltzerstörung oder politischer Willkür widmen. An Suchtpotenzial mangelt es „A War Against You“ jedenfalls nicht. Die Wartezeit ist daran nicht ganz unschuldig, doch verstehen sich IGNITE einfach meisterlich darauf, unverschämt eingängige Songs mit Wucht und Message zu schreiben. Auf solch ein Werk wartet man doch gern 10 Jahre!

Wertung: (8,5 / 10)

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