Horns (USA/CDN 2013)

horns„People say you should always do the right thing. But sometimes there is no right thing. And then, you just have to pick the sin you can live with.“ – Ig

Für einen Schauspieler ist wohl das Schlimmste, ewig auf eine einzige Rolle reduziert zu werden. Gerade jüngere Darsteller scheinen aus dem Schicksal von Kollegen wie Mark ‘Luke Skywalker’ Hamill gelernt zu haben und kehren ihren populärsten Werken mit Eifer und bisweilen radikalen Performances den Rücken. Bestes Beispiel ist Elijah Wood, der in der „Herr der Ringe“-Trilogie den Hobbit Frodo mimte und mit „Hooligans“, „Sin City“ oder „Maniac“ fortan seine abgründige Seite auslotete. Der letztgenannte Horror-Schocker, ein Remake des gleichnamigen Sleaze-Klassikers von 1980, wurde von Alexandre Aja produziert. Der unterstützt in seiner jüngsten Regiearbeit „Horns“ nun Daniel Radcliffe, sich vom Image der ihn berühmt gemachten „Harry Potter“-Reihe zu lösen.

Das gelingt überzeugend. Nur wirkt die auf einem Roman von Stephen Kings Sohn Joe Hill basierende Geschichte um Glaubensabfall und teuflische Inkarnation etwas unausgegoren und in seinem religiösen Symbolismus samt überall kreuchender Schlangen zudem auffallend überfrachtet. Allerdings bietet Aja, der im Gegensatz zu früheren Werken wie „High Tension“, „The Hills have Eyes“ oder „Piranha 3D“ auf krasse Gewalt verzichtet, visuell sehenswert komponierte Bilder und lustvoll übertreibende Nebenakteure. Denn die werden durch die Teufelshörner von Kleinstadtaußenseiter Ig (Radcliffe) plötzlich dazu getrieben, ihren geheimsten Gedanken und Obsessionen Ausdruck zu verleihen. Bevor es dazu kommt, weckt der märchenhafte Auftakt Erinnerungen an Tim Burton, wenn sich Ig und die feengleiche Freundin Merrin (Juno Temple, „Maleficent“) träumerisch im Wald räkeln.

Ein Kameraschwenk in die Tiefe des Bodens später ist Igs Welt und das eingangs visualisierte Idyll gehörig – und optisch buchstäblich – auf den Kopf gestellt. Denn seine geliebte Merrin wurde mit einem Stein erschlagen. Die sein Heim belagernde Reporterhorde und die ihn lauthals verdammenden Mitbürger machen keinen Hehl daraus, wem sie das Verbrechen anlasten. Doch Ig, anwaltlich vertreten von seinem besten Freund Lee (Max Minghella, „The Social Network“), ist unschuldig. Die ihm entgegenschlagende Abneigung führt jedoch dazu, dass er sich wild urinierend von Gottes Gnade abwendet – und sich tags darauf mit aus der Stirn brechenden Hörnern auseinandersetzen muss. Statt seine Mitmenschen zu verschrecken, vertrauen ihm diese jedoch ihre intimsten Geheimnisse an. Nach erstem Hadern sieht Ig in den neu gewonnenen Fähigkeiten die Chance, den wahren Mörder zu identifizieren.

Das überspitzte Verhalten der übrigen Protagonisten, darunter schwule Cops und für ein Exklusivinterview aufeinander einprügelnde Journalisten, erschöpft sich in satirisch angehauchten Anstößigkeiten. Die genügen für humorige Blicke hinter die bürgerliche Fassade, bringen den mit üppigen Rückblenden versehenen Plot in ihrer Beiläufigkeit aber nur bedingt vorwärts. Die stärksten Momente dieser Entwicklung finden sich im familiären Umfeld, wenn Igs nur scheinbar zu ihm stehende Eltern (gespielt von Kathleen Quinlan und James Remar) ihre Enttäuschung bekunden. Der drogenabhängige Bruder (Joe Anderson, „The River“) stellt schließlich die Weichen für einen übertrieben blutigen und wenig überraschenden Schlussakt, bei dem Merrin noch über den Tod hinaus ihre Verehrung rechtfertigt. Subtil ist das kaum und trotz gelungener Momente und guter Darsteller (u.a. David Morse, „Treme“) letztlich nur bedingt kohärent. Ein großer Schritt bleibt der Film damit einzig für Daniel Radcliffe.

Wertung: (6 / 10)

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