Gnarwolves – The Chronicles of Gnarnia (2014, Pure Noise Records/Beach Recordings)

gnarwolves-the-chronicles-of-gnarniaJedes Jahr (mindestens) eine Veröffentlichung. Die GNARWOLVES halten diese Marke seit ihrer 2011 vollzogenen Gründung durchweg aufrecht. Bevor sie im Herbst 2014 ihr selbstbetiteltes Debütalbum vorstellten, konnten die britischen Punk-Rocker bereits auf drei EPs (und eine Live-Platte) verweisen. Da zwei der besagten Outputs in Eigenregie entstanden, kompilierte Pure Noise Records die insgesamt 15 Tracks unter dem herrlich ironischen Titel „The Chronicles of Gnarnia“. Im Folgenden sollen die drei EPs verdientermaßen dennoch separat vorgestellt werden.

Den chronologischen Anfang macht „Fun Club“. Die 5 Songs scheppern in garagiger Manier bisweilen gewaltig und unterstreichen den sympathisch unfertigen Charakter, der dem Trio auf ihren Werken nahezu konstant anhaftet. Doch bedeutet das mitnichten, die zwischen eineinhalb und (kaum mehr als) zwei Minuten veranschlagenden Nummern würden gesteigerte Gefälligkeit vermissen lassen. Im Gegenteil! „Party Jams“ ist ein Knaller mit Melodie und Tempo, „Decay“ ein düsterer Brecher mit verzweifeltem Hauch und „No Time for Old Bones“ schöpft das hymnische Potenzial besonders im Mittelteil packend aus.

gnarwolves-fun-club„Reaper“ drückt zunächst kräftig aufs Gas und gönnt sich eine leidenschaftliche, im Kollektiv gekrähte Klimax, ehe der Rhythmus zum Ende hin noch einmal variiert wird. Das abschließende „Chlorine in the Jean Pule“ nimmt die in der Folge gesteigerte Hymnenhaftigkeit vorweg und mündet in einen packenden Refrain. Die Melodien wirken trotz des beständigen Vorwärtsdrangs fast zart, der zweistimmige Gesang harmoniert glänzend. Ein wenig unverständlich erscheint, warum dieser Beitrag im Gegensatz zu den vorangegangenen live kaum bedacht wird. Mit der Kategorie Pop-Punk, unter der die GNARWOLVES gern einsortiert werden, hat dies herrlich raue Debüt rein gar nichts zu tun.

Im Frühjahr 2013 brachte Dog Knights Productions „Fun Club“ mit verändertem Artwork als Doppel-7“ auf Vinyl heraus. Die regulären Beiträge werden dabei von vier Cover-Versionen ergänzt, die ob der rasant heruntergekloppten Aufmachung und nicht zuletzt dem britischen Akzent Spaß bereiten. Neben dem GREEN DAY-Evergreen „Basket Case“ verwursten die GNARWOLVES dabei „The Boy Who Destroyed the World“ (AFI), „When Eagles BEcome Vultures“ (CONVERGE) und „Gimme Gimme“ (BLACK FLAG).

gnarwolves-cruRund sieben Monate nach der Erstveröffentlichung von „Fun Club“ legte das Gespann aus Brighton mit „CRU“ – verbreitet via Tangled Talk und Day By Day Records – sein Meisterstück vor. Verglichen mit dem eigenproduzierten Vorgänger wirkt das halbe Dutzend Songs klanglich enorm geschliffen. An Reiz, Atmosphäre und lärmbewusster Beschallungsqualität ändert das jedoch nichts. Dafür weckt das Dreigestirn bereits beim Mid-Tempo-Knaller „History is Bunk“ Erinnerungen an TITLE FIGHT und deren abgründig verspielten Punk. Den Gipfel der Gefälligkeit erklimmt anschließend „We Want the Whip“, das ebenfalls unter zwei Minuten abgehandelt wird und die Singalong-Qualitäten deutlicher denn je in den Mittelpunkt rückt.

Nicht minder großartig fällt das melancholische „Community, Stability, Identity“ aus, das sich, wie auch „Oh, Brave New World!“, an Aldous Huxley anlehnt und vom akustischen Startpunkt aus in bemerkenswerter Dichte einer energischen und einmal mehr hymnischen Entladung entgegenstrebt. Die GNARWOLVES wirken auf „CRU“ fokussierter, die Strukturen durchdachter. Abwechslung und Wandlungsfähigkeit werden auch bei „A Gram is Better Than a Damn“ und dem erwähnten „Oh, Brave New World!“ groß geschrieben, die abermals mit variablem Tempo, feinem melodischem Gespür und starken Refrains punkten. Der Abschluss „Coffee“ lehnt sich mit seichten Dissonanzen und gröligem Gesang abermals an TITLE FIGHT an und bildet den trefflichen Schlusspunkt einer schlichtweg großartigen Scheibe.

gnarwolves-funemployedKnapp ein Jahr später, genauer im Juni 2013, folgte mit „Funemployed“ die dritte EP. Die kann „CRU“ zwar nicht vollends das Wasser reichen, hat mit dem neuerlich bedächtig eingeleiteten und anschließend mitreißend ausgebreiteten „Limerence“ aber einen absoluten Hit mit klasse Refrain im Gepäck. Zum Auftakt der vier Songs wird es zunächst jedoch merklich lauter. „Melody Has Big Plans“ wirkt wuchtiger, aggressiver, mehr im Hardcore verwurzelt. Die Tempowechsel scheinen abrupter, die Geschwindigkeit angezogener. Mit knapp unter drei Minuten bilden die beiden Nummern dennoch die längsten der drei EPs.

Das gewohnt kurze „Tongue Surfer“ bringt einmal mehr TITLE FIGHT ins Gedächtnis und erscheint einleitend geradewegs heftig rockend, ehe kurz das Gaspedal durchgetreten wird, um einem überraschend seichten Chorus Raum zu schaffen. Danach flirren die Gitarren wieder, der Gesang nimmt an Ruppigkeit zu. Kein unverzüglicher Ohrwurm, aber ein verdammt starker Beitrag. Das finale „High on a Wire“ bietet wieder rauen Punk-Rock mit klagender Note. Da gibt es nichts zu meckern, dafür einiges mit emporgereckten Fäusten mitzugrölen.

Nach der gebündelten Verinnerlichung dieser hervorragenden EPs (oder ihrer Verknüpfung) sollten zwei Dinge fraglos feststehen:

I. Die GNARWOLVES haben mit Pop-Punk in etwa so viel zu tun wie Donald Trump mit liberaler Politik.

II. Die GNARWOLVES sind eine der mitreißendsten und aktuell besten Punk-Bands des schattigen Untergrunds.

Wer sie (noch) nicht kennt, sollte dies schleunigst nachholen!

Wertung: (8 / 10)

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