Gnarwolves – European Tour 2014 DVD (2015, Big Scary Monsters/Tangled Talk Records)

gnarwolves-european-tour-2014-dvdGnarwolves cru fuck you!

Die GNARWOLVES zählen zum Besten, was der internationale Punk-Rock derzeit zu bieten hat. Das liegt neben ungemein packenden Songs auch an der Attitüde der drei Briten, denen Perfektionismus ferner liegt als jede Charts-Platzierung. Ihre Outputs sind roh, dreckig und trotzdem melodisch verspielt. Von den hymnischen Vocals ganz zu schweigen. Nur die oft vorgenommene Einsortierung ins Schubfach des Pop-Punk will partout keinen Sinn ergeben. Mit „European Tour 2014“ präsentiert das Trio seine erste DVD. Tiefsinnige Einblicke in Motivation und Antrieb gibt es nicht. Was hier als Lebensphilosophie transportiert wird, ist vielmehr die konsequente Auskostung des Augenblicks.

Die mit einer Action-Cam gefilmte Dokumentation fasst die einmonatige Europa-Tour der Jungs und ihrer „Cru“ im August 2014 zusammen. Die führte sie im klapprigen Bandbus durch 9 Länder und endete auf der Hauptbühne des Leeds Festivals. Informationsgehalt hat das wenig. Über rund 76 Minuten werden Momentaufnahmen aneinandergereiht, bei denen die Beteiligten wahlweise Alkohol und/oder (weiche) Drogen konsumieren, auf ihren Skateboards durch die Gegend brettern oder sich mit Feuerwerkskörpern bewerfen. Dazu gibt es erwartungsgemäß viel Musik, mal direkt von der Bühne, mal aus der Konserve. Die klangliche Qualität der Live-Ausschnitte variiert je nach Raumgröße und Kameraposition bisweilen deutlich. Aber so sind die GNARWOLVES – ungeschönt, direkt und laut.

Songs wie „Bottle to Bottle“, „History is Bunk“, „Smoking Kills“, „Community, Stability, Identity“ oder „Limerence“ sind über jeden Zweifel erhaben und sorgen auch in eingeschränkter Qualität für große Momente. Neben teils spärlich, meist ordentlich besuchten kleinen Clubs, etwa in Frankreich, Belgien, der Schweiz oder Italien, tritt das Trio im Laufe seiner Reise auch auf großen Brettern auf. In Slowenien teilen sie die Bühne beim Punk Rock Holiday mit NOFX und BANE, in Wien eröffnen sie für BLINK 182. Verschiedene Konzerte, unter anderem in Münster, absolvieren sie mit A WILHELM SCREAM. Für Gänsehautstimmung sorgen aber vor allem die Festivaleinblicke am Ende, bei denen die Brightoner erstaunlich heftig abgefeiert werden.

Im Gegensatz zu ihren Texten ist das Leben für die GNARWOLVES ein leichtes. Ernst genommen wird das Sein nicht, Hauptsache es gibt ein Plätzchen zum Skaten (und die drei sind verdammt versierte Rollbrettfahrer!) und Musizieren. Unter dieser Prämisse macht die Tour-Dokumentation Spaß. Dass kein großer übergeordneter Plan dahinter stand, sondern einfach gefilmt und am Ende zusammengeschnitten wurde, liegt allerdings schnell auf der Hand. Doch ist gerade diese Herangehensweise im Sinne des DIY als überaus sympathisch zu erachten. Für zwei Songs ihres selbstbetitelten Debütalbums – „Bottle to Bottle“ und „Smoking Kills“ – wurden aus dem bestehenden Material gleich noch Videoclips zusammengeschustert. Die Verwertungskette ist hier also vollauf organisch.

Wertung: (7 / 10)

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