Ginger Snaps Back – The Beginning (CAN 2004)

ginger-snaps-3History repeats itself.

Ansehnliche Fortsetzungen etablierter Horrorfilme sind bekanntlich rar gesät. Um so erstaunlicher erscheint da die Weitersinnierung des funktionalen Mikrokosmos von „Ginger Snaps“. Dem weltweit mit einiger Sympathie und Wohlwollen begegneten Low-Budget-Werwolfstreifen von 2000 folgte drei Jahre später mit „Ginger Snaps Unleashed“ bereits eine bemerkenswerte Fortsetzung. In direkter Folge entstand mit „Ginger Snaps Back“ bereits der dritte Aufguss des Themas. Doch spinnt dieser nicht die Ereignisse des zweiten Teils weiter, sondern blickt zurück auf die Anfänge des Fluchs – und die unerschütterliche Bande der Geschwister Fitzgerald.

Kanada im 19. Jahrhundert. Zur Erschließung unbewohnten Territoriums errichten Handelsgesellschaften Außenposten in der unwirtlichen Wildnis. In eines dieser Forts verschlägt es eines Tages die Schwestern Ginger (Katharine Isabelle, „Freddy vs. Jason“) und Brigitte (Emily Perkins, „Prozac Nation“). Mit einigem Misstrauen werden die jungen Frauen in der Befestigung aufgenommen. Doch scheint sich die Furcht der Pioniere auf eine unsichtbare Gefahr von außerhalb der schützenden Wälle zu beziehen. Bei einem nächtlichen Angriff erfahren die beiden den Grund der Isolation des Postens – blutgierige Werwölfe. Infiziert und verwandelt durch den Biss anderer Verfluchter trachten die pelzigen Monstren den eingeschlossenen nach dem Leben. Als Ginger von einem grausam entstellten Jungen gebissen wird und sich zu verwandeln beginnt, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

„Ginger Snaps Back – The Beginning“ ist im Grunde weniger ein Prequel, als vielmehr ein Remake des ersten Parts in differentem historischem Segment. Regisseur Grant Harvey („Friday’s Tired“) – Produzent von „Ginger Snaps Unleashed” – leistet sich dabei den Luxus, zur besseren Orientierung des Zuschauers die Namen der Schwestern Fitzgerald wie gleichwohl ihre Beziehung zueinander aus den vorangegangenen Teilen zu adaptieren; vom vorstädtischen Akzent der Aktricen im englischen Original ganz zu schweigen. Der Geschichte schadet diese Verlagerung des originalen Handlungskonstruktes in die Vergangenheit nicht, sondern schließt – im Gegensatz zu artverwandten Streifen wie „Tremors 4 – The Legend Begins“ – mit geradezu unverbrauchter Frische den Kreis zum ersten Kapitel von „Ginger Snaps“.

Entgegen der bescheidenen Budgetierung ist Grant Harveys stimmiger Horrorfilm gut inszeniert. Die matte Optik und die schmutzige Bebilderung wecken Erinnerungen an „Ravenous“, die preisgünstige Umsetzung der Werwölfe ruft dem Betrachter „Dog Soldiers“ ins Gedächtnis. Doch bleiben Komparsen unter Fell und deutlich erkennbare Modelle – wie schon bei den Vorgängern – keineswegs der mangelnden Kreativität der Macher zu schulden. Denn „Ginger Snaps Back“ funktioniert im Rahmen seines passablen Plots ausgezeichnet. Und sieht man von kleineren Ungereimtheiten und dramaturgischen Mysterien einmal ab, ergibt sich eine überzeugende Mischung aus Abenteuer, Werwolf-Grusler und Teenie-Drama. Die Hauptdarstellerinnen Katharine Isabelle und Emily Perkins agieren einmal mehr überzeugend in den Rollen der Geschwister Fitzgerald. Daneben spielen u.a. Nathaniel Arcand („Elektra“) und Brendan Fletcher („Alone in the Dark”).

„Ginger Snaps Back – The Beginning“ ist gehobene Horrorkost für Fans des Genres und weit über dem Durchschnitt üblicher Verleihpremieren dieses Sektors angesiedelt. Im Sinne der Vorgänger bleiben blutige Effekte Mangelware, obgleich sich im Zuge des aufkommenden Finales kleinere Härten in das Scharmützel zwischen Mensch und Werwolf schleichen dürfen. Zum Abschluss hält die Geschichte ein nicht zwingend originelles, doch entgegen der Dramaturgie des ersten Teils zumindest überraschendes Ende bereit. Einer rundum gelungenen „Ginger Snaps“-Trilogie ist mit diesem dritten Teil genüge getan. Die Ausweitung zur Quadrilogie scheint dabei jedoch verzichtbar.

Wertung: (7 / 10)

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