Ginger Snaps II – Unleashed (CAN 2004)

ginger-snaps-2-unleashedEin Tröpfchen frisches Blut injizierte das unmittelbar für den Videomarkt produzierte Horror-Kleinod „Ginger Snaps“ (2000) dem Genre des Werwolf-Gruslers. Durch eine unsägliche Vielzahl nichtiger Sequels zu Joe Dantes Klassiker „The Howling“, dem Dank Jack Nicholson nicht gänzlich verzichtbaren Pelztheater „Wolf“ oder der völlig verschenkten „American Werewolf“-Weitersinnierung über das Kliff kinematographischen Humbugs gestoßen, offerierte John Fawcett dem Publikum seinerzeit eine gelungene Fusion von Mechanismen des Teen- und des Horrorfilms. Im Stile des betörenden Grusel-Märchens „Zeit der Wölfe“ transferierte auch „Ginger Snaps“ das Thema bestialer Metamorphose in einen Kontext sexueller Erwachung, verzichtete jedoch zugunsten einer tiefschwarzen humoristischen Note auf den barocken Rahmen jener schwelgerischen Schauermär.

Als am Ende des stimmungsvollen Erstlings Bridget Fitzgerald (Emily Perkins, „Insomnia“) ihre zum blutrünstigen Werwolf mutierte Schwester Ginger (Katharine Isabelle, „Disturbing Behaviour“) im heimischen Keller mit einem Messer niederstreckte, schien der Fluch gebannt. Doch hatte Bridget zuvor ihr eigenes Blut mit dem erkrankten Lebenssaft Gingers infiziert, um mehr über das Virus in Erfahrung bringen zu können. An eben diesem Punkt setzt das gelungene Sequel an und zeigt Bridget als streunende Vagabundin, die die fortschreitende Verwandlung mit dem bereits in Teil eins erfolgreich erprobten Pflanzengift eindämmt.

An ihre Fersen hat sich jedoch jener altbekannte Werwolf geheftet, der nicht nur für den schicksalhaften Niedergang Gingers die Verantwortung trägt, sondern nun zu allem Überfluss reinrassige Nachkommen mit Bridget zeugen. Als diese nach einem Angriff der pelzigen Kreatur das Bewusstsein verliert, weist die Obrigkeit sie unter dem Verdacht der Drogensucht in eine geschlossene Rehabilitationsklinik ein. Getrennt vom lebensnotwendigen Wirkstoff nimmt die Ausbreitung des Virus in Bridgets Körper täglich zu und stellt eine kaum zu berechnende Gefahr für Leib und Leben der gesamten Ärzteschaft wie gleichwohl der Patienten dar. In der exzentrischen Außenseiterin Ghost (Tatiana Maslany, „The Recital“) findet Bridget eine heimliche Verbündete, doch lässt sich auch der paarungswillige Werwolf nicht so leicht abschütteln.

Trotz vorwiegender Aussparung der dramaturgischen Tiefe des Vorgängers besticht „Ginger Snaps II – Unleashed“ durch die kurzweilige Inszenierung und die überzeugenden darstellerischen Leistungen. Unter der Direktion Brett Sullivans, der bereits die Schnittmontage des Originales besorgte, verkommt die annähernd ebenbürtige Fortsetzung mitnichten zur plumpen Horrorhatz, sondern präsentiert sich, wie schon der Vorgänger, um schwarzhumorige Untertöne und ausgewogene Personalisierung der Figuren bemüht. Die deutlich versierteren Effekte und Masken erweisen sich als wohl dosiert und überlegt gestreut, jederzeit der Nuancierung der Geschichte dienlich. Unaufwändig produziert und der Linie des Erstlings die Treue haltend, markiert auch dies Sequel ein vorzügliches Beispiel für die Qualität kleinbudgetierten Independent-Horrors.

Weniger auf spannungsschürende Atmosphäre, als vielmehr auf seinen hohen Unterhaltungswert fixiert, funktioniert der durchaus von Originalität gezeichnete Plot auch im zweiten Aufguss. Kleinere Risse im Handlungsgefüge, beispielsweise die Ausklammerung der bereits im Original stark vernachlässigten Eltern, bewegen sich nicht zuletzt dank eines starken Finales in durchaus verzeihlichen Sphären. Als besänftigende „Opfergabe“ des dezent irreführenden Titels fungiert ihres Ablebens im ersten Part zum Trotze Ginger-Darstellerin Katharine Isabelle, die als eine Art schwesterlicher Kommunikationspartner in der Grauzone zwischen Traum und Realität in Erscheinung tritt. Wem das jedoch nicht ausreichen sollte, der kann sich in wohliger Vorfreude auf das baldig erscheinende Prequel „Ginger Snaps Back“ zumindest schon mal die Hände reiben.

Wertung: (7 / 10)

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