Get Dead – Dancing With the Curse (2020, Fat Wreck)

Die einzige für GET DEAD gültige Regel lautet: Es gibt keine Regeln. Nach diesem Credo macht die Band aus San Francisco seit 13 Jahren Musik. Mit oft überraschendem Auskommen. Doch was die Punk-Individualisten mit ihrem jüngsten Streich „Dancing With the Curse“ abliefern, ist mit dem Sinnbild abgestreifter Scheuklappen nicht einmal ansatzweise umrissen.

Der Sprechgesang zum Auftakt des eröffnenden „Disruption“ ist keineswegs als Experiment zu interpretieren. GET DEAD strecken und beugen ihren ohnehin vielschichtigen Rotz-Sound so weit, dass sie sich neu definieren. Zumindest in Teilen. Denn natürlich sind da noch die großen Punk-Momente, die Riffs, die Signalsongs. Man beachte allein die unbedingten Anspieltipps „Fire Sale“ und „8 Track“. Aber abseits ihrer packenden Refrains künden auch sie von der einschneidenden Veränderung, vorrangig transportiert über Ska-Rhythmen.

Dies weitreichend eingebrachte Stilmittel erinnert an die „Hooligan“-Ausflüge des Klassikers RANCID, bisweilen die frühen FLATLINERS. Auch COMMON RIDER scheinen hier und da durch. Bei den akustisch angehauchten, nicht minder schroff formulierten Balladen (siehe „Glitch“ oder in der Herleitung auch „Pepperspray“) sind zudem Anlehnungen an die reduzierten, oft schwermütigen Beiträge von NOFX erkennbar.

Nur zielen GET DEAD mit „Dancing With the Curse“ nicht auf eine Motivsammlung anderer Bands und Künstler ab, sondern kochen ein Süppchen von individueller Klasse. Egal ob es nun klassisch ungestüm zugeht („Confrontation“, „Confidence Game“), betont rockig („Nickel Plate“, „Green’s Girl“) oder eben melodisch lässig („Hard Times“, „Take It“), was der Fünfer hier abliefert, ist ohne Wenn und Aber sein bisheriges Meisterstück. An dieser Combo führt damit noch mehr als zuvor kein Weg vorbei. Ohne Regeln lebt es sich zweifelsfrei unbeschwerter.

Wertung: 8.5 out of 10 stars (8,5 / 10)

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