Fear the Walking Dead (Season 2.1) (USA 2016)

fear-the-walking-dead-season-2-1Die post-apokalyptische Patchwork-Familie ist zurück. Auch mit der sechsteiligen Auftaktstaffel von „Fear the Walking Dead“ traf das bewährte Produzentengespann um Comic-Schöpfer Robert Kirkman, Blockbuster-Spezialistin Gale Anne Hurd („Hulk“) und Effekt-Ikone Gregory Nictoero („The Hateful 8“) den Nerv des Publikums. Zwar blieb der eigenständige, vor der Mutterserie „The Walking Dead“ angesiedelte Ausbruch der Zombiekalypse erzählerisch hinter dem Vorgänger zurück, Potenzial schien aber zweifelsfrei gegeben. Nicht zuletzt aufgrund der veränderten Prämisse: Weniger explizite Gewalt, dafür mehr Augenmerk auf die Entwicklung der Protagonisten in der sich verdichtenden Katastrophe. Nur will die Rechnung in der Fortsetzung bestenfalls partiell aufgehen.

Zum Auftakt geht Los Angeles in Flammen auf. Um der sich ausbreitenden Untoten-Epidemie Herr zu werden, wirft das Militär Napalm. Die Ausweglosigkeit der Überlebendengruppe um das Lehrerpaar Madison (Kim Dickens, „Deadwood“) und Travis (Cliff Curtis, „Colombiana“) wird gleich in den ersten Momenten offenbar. Es ist der Anbruch eines neuen Zeitalters, in dem Menschlichkeit zunehmend weniger zählt. Auf der Yacht ihres Retters Strand (Colman Domingo, „The Knick“) geht es aufs offene Meer. Doch auch hier erwartet die Zweckgemeinschaft Schrecken und Tod. Schnell müssen sie skrupellosen See-Wegelagerern entkommen, die Madisons Tochter Alicia (Alycia Debnam-Carey, „The 100“) per Funkkonversation mit Jack (Daniel Zovatto, „Don’t Breathe“) angelockt hat.

Moral spielt auch bei „Fear the Walking Dead“ eine übergeordnete Rolle. Die Hauptfiguren klammern sich beständig an die tradierte Ordnung. Sie ist, was Sicherheit gibt. Dass die notwendige Anpassung an die neuen Lebensumstände nur den wenigsten gelingt, zeigt bereits die von Strand eingeforderte Missachtung hilfsbedürftiger Schiffbrüchiger. Eine Ausnahme bleibt Alex (Michelle Ang, „Triple 9“), die als Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einer von Zombies bevölkerten Insel aufgegriffen wird. Ihre Vorgeschichte erläutert die Web-Serie „Flight 462“. Allerdings bleiben die 16 rund einminütigen Teile vor allem durch die Abstinenz nachvollziehbarer Handlungsweisen geprägt. Ein Problem, das auf die gesamte Reihe mit spürbarer Entwertung übergreift.

Die Verhaltensweisen der Figuren wirken häufig nicht allein irrational, sondern im Kontext des zivilisatorischen Untergangs schlicht unglaubwürdig. „The Walking Dead“ hat bisweilen mit denselben Makeln zu kämpfen. Nur ist die Narration dort insgesamt packender, die Atmosphäre beklemmender, die Protagonisten nahbarer. So bohrt das abseits der Comic-Vorlage konzipierte Spin-Off dramaturgisch erstaunlich dünne Bretter und rückt Travis’ Sohn Chris (Lorenzo James Henrie, „Almost Kings“) schrittweise in die Ecke eines echten Nervtöters. Neben dem eskalierenden Konflikt mit den Piraten dient Strands unbekanntes Reiseziel als Antrieb. Seine Vergangenheit wird über Rückblicke in „Lost“-Manier beleuchtet, in denen er zunächst als Trickbetrüger und schließlich als Liebhaber von Geschäftsmann Thomas (Dougray Scott, „96 Hours – Taken 3“) gezeigt wird.

Auffällig ist weiterhin die zurückhaltende Inszenierung. Die Gewalt bleibt angedeutet, am Splatter führt das Geschehen meist deutlich vorbei. Dieser betonte Kontrast zum streckenweise ausgestellt blutigen Vorläufer wirkt willkommen, wird in vereinzelt banalisiert actionreichen Szenenfolgen (Stichwort: Gefangenenaustausch) jedoch nachhaltig ausgehebelt. Diese immer wieder aufblitzende Flachheit überträgt sich auch auf Episoden, deren Begebenheiten in klassischer TV-Manier nur für eine Folge relevant erscheinen. Am interessantesten bleibt noch die Entwicklung von Madisons Sohn, dem Ex-Junkie Nick (Frank Dillane, „Im Herzen der See“). Er entwickelt eine gewisse Untoten-Obsession und darf als erster bemerken, dass das Einreiben mit Zombie-Innereien vor Angriffen der fleischfressenden Wiedergänger schützt.

Der ehemalige Foltermeister Daniel Salazar (Rubén Blades, „Predator 2“), der die Zeichen der Zeit als einziger richtig zu deuten scheint, verkommt mit Tochter Ofelia (Mercedes Mason, „The Finder“) ein wenig zur Randfigur und vollzieht auf der Zielgeraden eine geradezu unverständliche Wandlung. Im Fokus stehen die wachsenden Spannungen zwischen Madison und Travis, bzw. die seltsamen Entwicklungen ihrer jeweiligen Söhne. Strands finale Anlaufstelle verheißt zunächst sichere Zuflucht. Doch wie so oft, hält auch die Hazienda der religiös verqueren Mutterfigur Celia (Marlene Forté, „Echte Frauen haben Kurven“) mehr Gefahr- als Sicherheitspotenzial bereit. So ebnet der feurige Ausklang der durchwachsenen Halbstaffel den Weg zurück in die Ungewissheit. Für die Serie gilt dasselbe. Denn auf diesem Niveau hält sich die Begeisterungsfähigkeit doch arg in Grenzen.

Wertung: (6,5 / 10)

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