Enduring Love (GB 2004)

enduring-love„Vom Regisseur von NOTTING HILL“ prangt auf der Hülle der dieser Tage erschienen DVD von „Enduring Love“ mit Neu-Bond Daniel Craig. Das lässt ja erstmal Schlimmes erwarten – vor allem, wenn das Cover noch von drei jungen, attraktiven Menschen und einem Heißluftballon geziert wird. Die 96 Minuten Film allerdings haben mit der zu befürchtenden Schmonzette nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Es sollte ein schöner Tag für Joe (Daniel Craig, „München“) und Claire (Samantha Morton, „Minority Report“) werden. Bei einem Picknick auf grüner Wiese mit gut gekühltem Champagner will Joe seiner Angebeteten nun endlich einen Antrag machen. Doch dazu kommt es nicht. Ein Heißluftballon stürzt auf eben jener Wiese ab und schleift einen alten Mann hinter sich her. Joe und einige andere Helfer versuchen, den Mann und den Jungen, der sich in der Gondel befindet, zu retten. Doch sie haben keine Chance. Joe kämpft von nun an mit Gewissensbissen. Aber nicht nur die verhageln ihm die Tage. Einer der anderen Helfer, ein junger Mann namens Jed (Rhys Ifans, „Vanity Fair“) sucht immer wieder seine Nähe auf. Schnell wird klar, dass Jed nicht nur gemeinsame Traumabewältigung im Sinn hat. Joe hat es mit einem Stalker zu tun – und weiß sich nicht zu helfen.

Regisseur Roger Michell setzt bei seinem Thriller auf altbekannte Stilmittel. Äußerst ruhige Kameraeinstellungen stellt er als Gegensatz zur inneren Unruhe seines Hauptcharakters Joe. Das ist nicht neu, aber funktioniert doch immer wieder schön. Auch verzichtet Michell großteilig auf Filmmusik – und wenn sie dann doch kommt, erinnert sie jedes Mal stark an die klassisch minimalistischen Scores, mit denen schon seine Heiligkeit Alfred Hitchcock so legendäre Suspense-Klassiker wie „Der Unsichtbare Dritte“ oder „Psycho“ unterlegte. Daniel Craig macht seine Sache einmal mehr sehr gut. Er gibt den zurückhaltenden, kühl kalkulierenden Kopfmenschen, der in eine Situation gebracht wird, die er mit seiner rationalen Herangehensweise nicht mehr kontrollieren oder auch nur verstehen kann.

Sein Konterpart Rhys Ifans zeigt den offensichtlich durchgeknallten Stalker aber auch mit einer Leidenschaft, die es Craig wohl leicht macht, mit ihm zu agieren. Sicher, das Drehbuch hat seine Längen und ist insgesamt weit davon entfernt, das Rad auch nur ansatzweise neu zu erfinden, unterhaltsam ist „Enduring Love“ aber trotzdem. Diese eineinhalb Stunden setzen sicherlich keine Maßstäbe, erweisen sich mit Bill Nighy und Andrew Lincoln (beide traten in „Tatsächlich Liebe” auf) aber auch in Nebenrollen gut besetzt und berufen sich mit schöner Selbstverständlichkeit auf große Vorbilder. Kurzweilig sind sie darum dann doch geraten. .

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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