November (USA 2004)

november-2004Wo sich der Mystery-Thriller an den Sehgewohnheiten des Publikums aufreibt, bedarf es schon der unverbrauchten Frische eines Newcomers. Der hört auf den Namen Greg Harrison und legt mit „November“, nach dem Raver-Drama „Groove“, seinen zweiten Spielfilm vor. Darin vermischen sich Wahn und Wirklichkeit, wenn „Scream“-Star Courteney Cox-Arquette versucht, den gewaltsamen Tod ihres Freundes (James LeGros, „Das Böse II“) zu verarbeiten. Das besondere an diesem auf dem Papier simplen Plot ist das puzzleartige Verwirrspiel, mit dem der Regisseur und Cutter die Psyche seiner Hauptfigur auslotet.

Leicht macht es Harrison seinem Publikum nicht, wenn er im Stile von Tom Tykwers „Lola Rennt“ verschiedene Möglichkeiten des Handlungsablaufes serviert. Die schlussendlich verschiedene Fährten fusionierende „Auflösung“ ist in dieser Form zwar früh greifbar, spielt als vermeintliche Klimax aber perfekt mit der Erwartungshaltung des Rezipienten. Im komplex strukturierten Vorlauf besticht, neben Hauptdarstellerin Cox-Arquette, die visuelle Umsetzung. Das Spiel mit Licht und Schatten verleiht „November“ einen ebenso surrealen Anstrich wie das künstliche Bild der Digitalkamera. Der clevere Einsatz von schnellen Schnitten in Kombination mit computergenerierten Details sorgt für zusätzliche Spannung.

Das Besondere an Greg Harrisons kopflastigem Low Budget-Thriller ist die genaue Beobachtungsgabe. Ohne mehr Worte zu verlieren, als notwendig, taucht sein Film ein in die marode Gefühlswelt der Fotografin Sophie (Cox-Arquette). Der ausgefeilte Hintergrund erlaubt den Wechsel ins dramatische Fach, wenn es um ihre Affäre zu einem Kollegen oder das distanzierte Verhältnis zur snobistischen Mutter (Anne Archer, „Short Cuts“) geht. Die Wiederholung spezifischer Sequenzen schlägt die Brücke zum Mysteriösen, begleitet von unheimlichen Visionen und Hinweisen auf die Hintergründe des Mordes. „November“ ist sicher nicht jedermanns Sache und gerade deshalb für Kenner des Independentfilms eine klare Empfehlung.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

 

Ähnliche Beiträge

  • Punch-Drunk Love (USA 2002)

    Bei manchem Kinogänger stellte sich nach der Rezeption von „Punch-Drunk Love“ neben Verwunderung auch handfeste Verärgerung ein. Zuschauer, die das Lichtspielhaus vorzeitig verließen, sollen dabei keine Ausnahmeerscheinung gewesen sein. Die Wurzel dieses Unmutes allerdings liegt im kleinflächigen Erwartungsspektrum des Massenpublikums. Denn wer würde Hauptdarsteller Adam Sandler schon in einer subtilen Produktion erwarten? Dabei gelingt es…

  • Percy Jackson – Diebe im Olymp (USA/CAN 2010)

    Harry Potter und seine Nachkommen. Irgendwie stößt man im Zusammenhang mit dem ersten Leinwandabenteuer von Percy Jackson – basierend auf der fünfteiligen Buchreihe von Rick Riordan – zwangsläufig und sehr schnell auf den (ehemals) kleinen Aushilfszauberer von J.K. Rowling. Denn ohne den weltweiten Erfolg der Marke „Harry Potter“ wäre es vielleicht nie zu „Percy Jackson…

  • Izo – The World Can Never Be Changed (J 2004)

    Im Prolog zu Takashi Miikes „Fudoh – The New Generation“ heißt es, der Mensch sei das grausamste Tier auf der Welt. Dieser alles zerstörenden Bestie in Menschengestalt hat der japanische Regie-Exzentriker mit „Izo“ einen weiteren Film gewidmet. Und doch ist der anders als Miikes übrige Werke. Vollends verzichtet er auf narrative Stringenz und pflastert seine…

  • Born to Fight (T 2004)

    Thailands Filmindustrie hat durch die internationale Veröffentlichung des Martial-Arts-Krachers „Ong Bak“ einen sensationellen Aufschwung erlebt. Plötzlich sind die Filme des „kleinen Hongkong“ in aller Munde, bestechen durch waghalsige Stunts und schier unglaubliche Actionsequenzen. Eindrucksvoll untermauert dies „Born to Fight“, das Regiedebüt des „Ong Bak“-Co-Autors und Kampfchoreographen Panna Rittikrai. Dieser nutzt einen banalen Genreplot zum Sprungbrett…

  • Fortress 2 (USA/LUX 1999)

    Streng genommen lebt der solide Sci-Fi-Knast-Thriller „Fortress“ von seinen rabiaten Gewalteinlagen. Über eine respektable Fangemeinde verfügt er dennoch. Aber auch deren Zuspruch dürfte mit der Fortsetzung von Routinier Geoff Murphy („Alarmstufe: Rot 2“) an seine Grenzen stoßen. Denn diese hat dem schon ursprünglich nicht gerade überraschenden Plot außer der Verlagerung des Geschehens in den Weltraum…

  • The Snake (F 2006)

    Ein konventioneller Psycho-Thriller aus Frankreich. Das ist erst einmal nichts Besonderes. Der Urheber der literarischen Vorlage aber ist Ted Lewis, jener 1982 früh verstorbene englische Autor, der den grimmigen Klassiker „Get Carter“ schrieb. Das macht neugierig, stammt sein Werk doch aus einer Zeit, als Spannungserzeugung noch Handwerk war. So lassen sich bei Eric Barbiers „The…