Dread (GB 2009)

dread-clive-barkerZwei der überzeugendsten Horrorfilme der vergangenen Jahre gehen auf Kurzgeschichten von „Hellraiser“-Schöpfer Clive Barker zurück. Nach dem rabiaten „Midnight Meat Train“ gelingt auch „Dread“ der Spagat zwischen Schauerstimmung und Gewalt-Schocks. Auf Monster und Mutanten verzichtet Regiedebütant Anthony DiBlasi und auch die von ihm heraufbeschworenen Dämonen entspringen einzig der menschlichen Psyche. Einmal mehr geht es um die Konfrontation mit Ängsten, Todesängsten, die drei Studenten zu einem Universitätsprojekt mit horriblen Folgen anstacheln.

Die Initiative geht von Quaid (Shaun Evans, „Cashback“) aus, der als Kind mit ansehen musste, wie ein Wahnsinniger seine Eltern mit einer Axt schlachtete. Bilder der grauenhaften Tat, tiefe Wundmale, der gespaltene Schädel der Mutter, verfolgen und martern ihn bis in die Gegenwart. Für den selbstbewussten Querdenker Grund genug, eine Forschungsarbeit über Ursachen und Wirkung von Panikzuständen anzuregen. Bei Stephen (Teenie-Schwarm Jackson Rathbone, „Twilight“), der seinen Bruder mit 15 Jahren bei einem Autounfall verlor, rennt er damit offene Türen ein.

Vegetarierin Cheryl (Hanne Steen), in der bereits der bloße Anblick von Fleisch Ekelgefühle hervorruft, komplettiert das Trio. Gemeinsam interviewen sie traumatisierte Kommilitonen, zu denen auch Abby (Laura Donnelly) zählt, deren eine Körperhälfte von einem dunklen Geburtsmal bedeckt wird. In diese Richtung lässt DiBlasi, der neben „Midnight Meat Train“ auch die Barker-Adaption „Book of Blood“ produzierte, seinen Erstling eine ganze Weile laufen. Visuell zurückhaltend und kantig geschnitten, bleibt gesteigertes Tempo ausgespart. Fesselnd ist die undurchsichtige Geschichte dennoch geraten.

Zu verdanken ist das, neben den unverbrauchten Jungdarstellern, den sorgsam eingebrachten Schockmomenten. Wenn Quaid in einem Striplokal in bester „Jacobs Ladder“-Manier von schauerhaften Halluzinationen geplagt wird, nimmt seine Panik auch vom Zuschauer Besitz. Im Schlussdrittel erfährt der Film eine erahnbare, obgleich darüber nicht weniger konsequente Wendung, die Quaid die eigenen Ängste über die kontrolliert evozierte Furcht anderer eindämmen lässt. Von Barkers Vorlage bleibt genug übrig, um die Handschrift des auch als Produzent fungierenden Schriftstellers zu erkennen. Mehr Dynamik hätte dem schroffen Horror-Thriller nicht geschadet. Ein bemerkenswertes Schauerstück ist „Dread“ aber zweifelsfrei geworden.

Wertung: (7 / 10)

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