Black Dynamite (USA 2009)

black-dynamiteDas Blaxploitation-Genre hat schon einige harte Hunde auf die Menschheit losgelassen und von Superfly, Dolemite oder Black Belt Jones dürften nicht wenige zumindest einmal gehört haben. Doch selbst die würden vor einem Mann allesamt in die Knie gehen: Black Dynamite! Der von Michael Jai White („Undisputed 2“) verkörperte Vietnamveteran, Ex-CIA-Agent, Privatdetektiv und Pimp (!) lässt uns gleich zu Beginn wissen, was für ein obercooler Motherfucker er ist. Als er neben drei nackten, sichtlich erschöpften Ischen aufwacht, kommentiert eine von ihnen liebeshungrig die letzte Nacht als die sexuell erfüllendste ihres Lebens. Darauf entgegnet Dynamite (as badass as possible): „Halt den Mund, sonst weckst du die anderen Bitches!” – und die Kamera schwenkt auf weitere im Bett liegende Fräuleins!

Des Weiteren grenzt es beim täglichen Kung Fu-Training in den heimischen vier Wänden an ein Wunder, dass seine Sparringspartner mit dem Leben davon kommen. Nicht fehlen darf dazu der „Dynamite“-Jingle, der genretypisch so oft wie möglich aus den Boxen dröhnt und eine unüberhörbare Hommage an Isaac Hayes’ weltbekannten „Shaft“-Titel darstellt. Doch selbst wenn an jeder Straßenecke funkige Mucke zu hören ist und alle haushohe Afros spazieren tragen, ist die Hood in den 1970ern alles andere als ein Ort der Harmonie. Habgierige Drogenbosse machen auch vor Waisenhäusern nicht halt und als Dynamites Bruder Jimmy (Baron Vaughn), der undercover in der Drogenszene ermittelt, kaltblütig niedergeschossen wird, sieht der Kung Fu-Meister rot.

Den Schnauzer gestutzt, die Wumme in der einen und das Nunchak in der anderen Hand, geht der unaufhaltsame Koloss in den Kampf gegen alles und jeden. Ob korrupte Bullen, chinesische kriminelle Masterminds oder klapprige Rentnerinnen (!), keiner entkommt der Gerechtigkeit sprechenden Faust Black Dynamites! You dig it? Die Idee zu diesem köstlichen Neo-Blaxploitationer kam Michael Jai White in den Sinn, als er auf seinem iPod James Browns „Super Bad“ hörte. So sollte der Film denn auch ursprünglich betitelt werden. Allerdings drehte ein gewisser Judd Apatow schon 2007 ein gleichnamiges Werk, so dass man sich daraufhin für „Black Dynamite“ entschied. In Zusammenarbeit mit Scott Sanders (Regie) ist White schlussendlich ein in allen Belangen bewundernswerter Film gelungen, der die fast unmögliche Symbiose von Hommage und Parodie perfekt unter einen Hut bringt.

In den 83 Minuten Laufzeit findet sich kaum ein Gag, der nicht funktioniert. Unübersehbar nimmt die betont inkohärente Handlung die auf Coolness gebürsteten Absurditäten der „echten“ Blaxploitation-Welle augenzwinkernd und liebevoll aufs Korn. „Black Dynamite“ hat neben dem wirklich gelungenen Drehbuch aber auch weitere Asse im Ärmel. Erwähnenswert sind die optischen Spielereien, beispielsweise körnig gehaltenes Filmmaterial, monotone Zooms, plötzlich auftretende Bildunschärfen, unpassend gewählte Bildausschnitte oder ein penetrant ins Bild hängendes Mikro. Würde man es nicht besser wissen, dürfte man sich ruhigen Gewissens in einem waschechten und ernst gemeinten 70´s-Blaxploitioner wähnen.

Darüber hinaus hat der von Adrian Younge komponierte Soundtrack das für solche Produktionen als Grundvoraussetzung benötigte und unverkennbare Flair. Nebst dem schon erwähnten Isaac Hayes hat er auch Anleihen bei Curtis Mayfield („Firefly“), Willie Hutch („Foxy Brown“) oder auch Marvin Gaye („Trouble Man“) gefunden. Die gewohnt funkigen Sounds vermischen sich nicht selten mit verdammt witzigen Texten, so etwa beim „Jimmy´s Appartment Theme“, als Black Dynamite die Wohnung seines toten Bruders betritt und dabei auf der Tonspur der Gesang „I am in my brother’s apartment, someone broke in…“ zu hören ist. All das wäre aber ohne einen akzeptablen Cast nicht einmal die Hälfte wert. Doch Whites Darstellung des raubeinigen Gigolos ist eine der witzigsten Performances der letzen Jahre überhaupt. White spielt nicht Dynamite, er IST mit Afro und Seele Dynamite!

Bei all den Lobeshymnen muss aber auch das wirklich einzige Manko dieses jetzt schon zu Recht als Kult bezeichneten Filmspaßes erwähnt werden. Im zweiten Drittel schleicht sich mal hier und da doch eine unnötige Länge ein. Pünktlich zum Showdown ist der Film allerdings wieder in der gewohnten Spur. Aus heiterem Himmel (und ohne vorherige Erwähnung) findet Dynamite heraus, dass ein chinesischer Drogenbaron namens Dr. Wu für die ganze Misere verantwortlich ist. In bester „Enter the Dragon“-Manier machen sich er und seine Dudes auf den Weg zur – natürlich – Insel des Verbrechermoguls. Doch auch Wu entpuppt sich nur als Marionette eines viel mächtigeren Mannes. Die Spur führt unseren Superafroamerikaner, den Maschinengewehrsalven aus nächster Nähe nicht treffen können, ins Weiße Haus, direkt zum skandalträchtigen US-Präsidenten Richard Nixon!

„Black Dynamite“ ist sicherlich eine Komödie der etwas anderen Art, bei der sich besonders Kenner der Materie aber pudelwohl fühlen dürften. Doch das wirklich besondere ist der Umstand, dass sich auch Nicht-Kenner verdammt gut amüsieren können. Ein zweiter Teil wäre aber so was von willkommen. We dig it!

Wertung: (9 / 10)

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