Cabal – Die Brut der Nacht (USA 1990)

cabal-brut-der-nacht„I’m death. Plain and simple.“ – Dr. Decker

Nachdem Schriftsteller Clive Barker mit „Hellraiser“ (1987), der Verfilmung einer eigenen Novelle, sein Debüt als Regisseur vorgelegt hatte, wurde er als neue Hoffnung des Horrors gefeiert. Zuvor hatte er die Drehbücher zu „Underworld“ (1985) und „Rawhead Rex“ (1986) verfasst, zeigte sich von deren Umsetzung aber wenig begeistert. Der Wechsel auf den Regiestuhl schien die logische Konsequenz. Doch bereits mit seinem zweiten Werk, der Adaption seines Romans „Cabal“, zerschellte Barkers Ambition am Regelwerk Hollywoods.

Eigentlich sollte er für die Produktionsfirma Morgan Creek drei Filme drehen. Für „Cabal“ standen ihm 11 Millionen Dollar zur Verfügung – ein Vielfaches der finanziellen Mittel von „Hellraiser“. Doch die Eingriffe der Produzenten um Joe Roth begannen bereits beim Titel, der zum Zwecke besserer Vermarktung in „Nightbreed“ geändert wurde. So ging es weiter, bis von Barkers zweieinhalb Stunden langer Ur-Fassung nur noch rund 100 Minuten übrig blieben. Dabei wurde der komplexen Geschichte auch durch geforderte Nachdrehs (inklusive alternativem Ende) ein Teil ihrer Nachvollziehbarkeit geraubt.

Dass von Barker kaum massentaugliches Horror-Einerlei zu erwarten ist, hätte Roth und Kollegen eigentlich im Vorfeld klar sein müssen. So lässt die eklatante Straffung, für die Cutter Mark Goldblatt („Terminator“) eingespannt wurde, „Cabal“ sprunghaft und unzusammenhängend erscheinen. Ein gestandenes Vergnügen ist das ungewöhnliche Erwachsenenmärchen aber auch in der Kinofassung noch. Die Geschichte dreht sich um Aaron Boone (Craig Sheffer, „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“), der von Alpträumen und Wahnvorstellungen geplagt wird. Die tragen ihn stets nach Midian, eine düstere, von Monstern bewohnte Unterwelt.

Psychiater Dr. Decker (Regie-Exzentriker David Cronenberg, „Videodrome“) will Boone helfen. Zumindest sagt er das. Die Morde, die er als hinter einer Stoffmaske mit Reißverschlussmund und Knopfaugen verborgener Killer begeht, schiebt er trotzdem lieber seinem Patienten in die Schuhe. Auf der Flucht verschlägt es Boone tatsächlich nach Midian, das unter einem Provinzfriedhof liegt und allerlei Rudimente übernatürlicher Volksstämme und Rassen beherbergt. Von der ahnungslosen Polizei lässt Decker den Mordverdächtigen erschießen. Doch der Tod ist erst der Anfang.

Mysteriös, bizarr und ungemein fantasievoll öffnet Barker die Tore zu einer Welt, die keinen Naturgesetzen und erst recht keinen Horror-Standarten folgt. Sie ist bevölkert von absonderlichen Freaks, die von Gestaltwandlern und gehörnten Menschenfressern über Fleischklumpen mit Gesicht bis zu Stachelschwein-Frau Shuna Sassi (Christine McCorkindale) reichen. Ihre unterirdische Sphäre erhält durch den gewohnt verspielten Score Danny Elfmans („Armee der Finsternis“) Ausdruck, der die Abkehr vom klassischen Genre-Spuk farbenfroh unterstreicht. Doch inmitten dieses erlesenen Bilderrausches finden sich neben einer (nicht ganz) klassischen Liebesgeschichte vor allem Motive des ewigen Kampfes Gut gegen Böse.

Nachdem Boone von den Toten auferstanden ist, wird er von den Bewohnern Midians (darunter Doud „Pinhead“ Bradley als Gemeinschaftsvorsteher Lylesberg) aufgenommen. Freundin Lori (Anne Bobby) versucht ihn zurückzuholen, wird aber von Decker verfolgt, der die Freaks mit Provinzpolizist Eigerman (Charles Haid, „Polizeirevier Hill Street“) und einem wütenden Lynchmob ausrotten will. Daraus resultiert nicht nur ein apokalyptischer Showdown, sondern auch ein insgesamt herrlich unangepasstes Horror-Märchen mit großem Aufwand, starken Masken und einer Vision, die fürs konventionelle Kino trotz Eingriff der Produzenten zwei Nummern zu groß erscheint. Der finanzielle Misserfolg konnte den Kultstatus nicht bremsen und das endgültige Happy End erfolgte, als Clive Barker satte 25 Jahre nach Produktionsbeginn doch noch seine Wunschversion präsentieren durfte.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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