Django’s Rückkehr (I 1987)

djangos-rueckkehrDie alten Recken des Spaghetti-Westerns sind müde geworden. Das Spätwerk „Django’s Rückkehr“ beginnt wie ein wehmütiger Abgesang, wenn der desillusionierte Schütze William Berger („Sartana – Bete um deinen Tod“) mit einem nicht weniger betagten Gunslinger im mexikanischen Exil zum letzten Duell schreitet. Der eine schießt gar nicht, der andere zielt vorbei. Beide spekulierten darauf, dass der Gegenüber trifft und dem leidigen Lebensabend auf hergebrachte Art ein Ende bereitet. Der Tod als Ritus, die Kugel im Leib. Hauptsache die Stiefel sitzen.

Nach dem Gelächter der Schaulustigen muss Berger erkennen, dass er nicht mal mehr den Fusel, die „Sargpolitur“, verträgt, ohne von einer Hustenattacke zu Boden gerissen zu werden. Trotzdem trinken er und sein Schicksalsgenosse auf das Ende des Wilden Westens und erinnern sich derer, die ihn groß gemacht haben. Dabei schweift der Gedanke auch zu jenem, der die Reihen seiner Gegner mit einem Maschinengewehr zu lichten pflegte. Doch der Name will ihnen partout nicht einfallen. Zumindest, bis sie sich der Kanone eines Sklavenhändlerdampfers dankbar in den Weg stellen und von der Artillerie ohne Mühe weggeputzt werden. Im Sterben dämmert es Berger. Der Name des Mannes war Django.

Der europäische Western war kaum mehr ein Gespenst des europäischen Kinos, als sich mit Franco Nero eine seiner größten Ikonen noch einmal in den Sattel schwang. Allerdings hat die staubige Kultfigur jener Gewalt, die sie einst groß machte, längst abgeschworen. Unter dem Namen Pater Ignazius lebt Django den friedfertigen Klosteralltag. Eines Tages erhält er unerwarteten Damenbesuch und erfährt von Mariesol, seiner Tochter. Als er die wenig später aufsuchen will, findet er ihr Heim in Trümmern vor. Er erfährt vom Schiff des „Teufels“, der Mariesol verschleppt habe. Hinter ihm steckt der skrupellose Menschenhändler Orlovsky (Christopher Connelly, „The Riffs“), den der Mönch in Frieden aufsucht. Zu Gesicht bekommt er sein Kind, doch wird er misshandelt und selbst in Ketten gelegt.

„Django’s Rückkehr“ ist ein Produkt seiner Zeit. Es mag kaum verwundern, dass der Streifen Parallelen zu Hollywoods unüberwindbaren Actionhelden der achtziger Jahre aufweist, solchen wie Sylvester „Rambo“ Stallone oder Chuck „Braddock“ Norris. In ähnlich robuster Manier greift auch Django zur Waffe und macht das, was ihn in der Vergangenheit auszeichnete. Die Grausamkeit seiner Gegner wird zuvor ausladend üppig zur Schau gestellt, schließlich muss der betagte Westernheld auch die Rechtfertigung für sein massenvernichtend bleihaltiges Handwerk erhalten. Zuvor jedoch muss er sich erst einmal dem Martyrium des Arbeitslagers entziehen, in dem der „Teufel“ von Kirchenchören umspielt sein eigenes Fegefeuer anheizt.

Dort macht Django die Bekanntschaft des schottischen Insektenforschers Gunn (Donald Pleasance, „Halloween“), der ihm kurz darauf auch zur (unmöglichen) Flucht verhilft. Die zeichnet sich durch besondere Absurdität aus, wenn sich der versklavte Revolverheld im Priestergewand in einem Fass versteckt in die reißenden Fluten eines angrenzenden Flusses stoßen lässt. Es braucht nur einen Schnitt und schon schreitet er der Rache entgegen. Dazu muss kurz noch der Spaten geschwungen und die altgediente Artillerie aus verdorrtem Erdreich befreit werden. Fortan kutschiert er sein Maschinengewehr in einem Leichenwagen umher und lehrt Orlovsky und seine Spießgesellen das Fürchten.

Das von Nello Rosatti („Eine Frau für die Nacht“) unter dem Pseudonym Ted Archer inszenierte Spektakel ist Action-Trash in Reinkultur. Mit den Mythen des Westerns hat dies armselige, oft unfreiwillig komische Machwerk nichts mehr zu tun. Gedreht wurde in Kolumbien, so dass sich das vorherrschende Dschungelflair eher an Italiens unsäglichen Ausflügen in die Gefilde des Vietnamkriegsfilms denn des stilbildenden Originals abarbeitet. Reich an Gewalt, aber arm an Klasse – die einzige offizielle Django-Fortsetzung ist ein echter Rohrkrepierer. Für Nero war der Western damit aber noch immer nicht Geschichte, raffte er sich doch sechs Jahre später für „Die Rache des weißen Indianers“ ein allerletztes Mal auf. Aber das ist eine andere, weit erzählenswertere Geschichte.

Wertung: (4 / 10)

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