Mit Django kam der Tod (I/D 1967)

mit-django-kam-der-todDer Italo-Western als Tragödie. Eine verkehrte Welt. Viele seiner düsteren Helden, deren einzig heroischen Züge die Auslöschung noch skrupelloserer Zeitgenossen bedeutete, blieben von Tragik umweht. Meist in der persönlichen Vergangenheit, indem Schurken ihre Familien töteten oder ihr Gut raubten. Das unabwendbar schwarze Schicksal im hier und jetzt der fiktiven Handlung bedienten nur wenige. Einer davon ist Luigi Bazzoni („Ein schwarzer Tag für den Widder“), der mit „L´uomo, l´orgoglio, l´vendetta“ eine eigenwillige Umsetzung der klassischen französischen Oper „Carmen“ beschrieb. Der Originaltitel des Films bedeutet in der deutschen Übersetzung „Der Mann, der Stolz, die Rache“. Und um nicht mehr als das geht es in Bazzonis Werk.

Der Mann ist Franco Nero. Als „Django“ schrieb er Kinogeschichte und wurde zur Ikone. Fortan versuchte er, wie auch hier, dem Rollenprofil des schweigsamen Rächers zu entfliehen. Betrachtet man den Django-Wahn internationaler Filmverleiher, ist die redliche Mühe als vergebens zu betrachten. In Deutschland wurde das Melodram, wie viele andere Genrebeiträge auch, mit der irreführenden Wortmarke versehen. So wurde aus Don Jóse ein weiteres Synchronisationsgespinst und aus dem Mann, dem Stolz und der Rache schlicht „Mit Django kam der Tod“. Die Enttäuschung einer auf eingefleischte Manierismen bleihaltiger Spaghetti-Unterhaltung ausgerichteten Klientel ist da praktisch vorprogrammiert.

Jedoch führt sie am Kern eines außergewöhnlichen Filmwerks vorbei, das weniger durch staubige Weiten und wortkarge Pistoleros besticht, als vielmehr durch seine Theatralik, große Gefühle in ausladenden Gesten (und Bildern). Am Anbeginn wird Don Jóse von bewaffneten Reitern durch unwirtliches Gelände gehetzt. Während er flüchtet, bleibt ihm Zeit vor geistigem Auge zurückzublicken. Dabei hat er Publikum. Ein dankbares, wenn man sich denn auf die langsam erzählten Gefühlswirren einzulassen vermag. Bevor seine Welt zerbrach war er eine mexikanische Stadtwache. Eines Tages begegnete er der rassigen Zigeunerin Carmen, die in der Übersetzung zu Conchita (Tina Aumont, „Fellinis Casanova“) wird. Er verfällt ihr, unterbewusst wohl wissend, dass sie ihn nur benutzt.

Der pflichtbewusste Soldat lässt sich belügen und manipulieren, bis er aus rasender Eifersucht einen Vorgesetzten tötet, zu dem sie ebenfalls ein Verhältnis unterhält. Mit ihrer Hilfe taucht er unter und wird zum Kriminellen wider Willen. Ein Postkutschenraub soll den beiden die Flucht nach Amerika ermöglichen. Doch unter den Komplizen ist auch Conchitas Gatte, der feindselige Ex-Sträfling Miguel Garcia (brillant mürrisch wie eh und je: Klaus Kinski, „Leichen pflastern seinen Weg“). Die Abneigung der beiden gipfelt im tödlichen Zweikampf, doch lässt sich ihr rastlos wanderndes Herz nicht mehr erweichen. Das Finale übersteigt in seinem umfassenden Unglück sogar das Libretto der Oper. Denn nachdem er an seinem Stolz zerbrochen ist und Rache geübt hat, ist auch Don Jóses Leben verwirkt. Eine eindringlich gespielte und bestechend umgesetzte Charakterstudie, bei dem nur die beinharten Genrefans das Nachsehen haben.

Wertung: (7 / 10)

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