Django – Die Bibel ist kein Kartenspiel (I 1968)

django-die-bibel-ist-kein-kartenspielGegen die titulierenden Auswüchse deutscher Verleiher ist kein Kraut gewachsen. Domenico Paolellas „Execution“ wurde einfach der schneidige Maßanzug des exemplarischen Anti-Helden übergestülpt und ohne Rücksicht auf Verluste, originäre Namensgebung oder inhaltliche Zusammenhänge in „Django – Die Bibel ist kein Kartenspiel“ abgewandelt. Django? Bibel? Kartenspiel? Nichts davon kommt vor im eigentlichen Film, der die typischen Zutaten des Spaghetti-Westerns ungewohnt dramatisch aufkocht.

Die Teutonenfassung gibt sich aufgrund der wirtschaftlichen Interessen folgenden Umbenennung ihrer Hauptfigur reichlich krude, werden auf diese Weise doch zwei Brüder, beide gespielt von John Richardson („Die Stunde, wenn Dracula kommt“), zwangsweise zu alten, sich zufällig sehr ähnlich sehenden Kumpanen. Der eine, eigentlich Bill Coler, nun Django, ist mit einer Gruppe Schausteller unterwegs und zeigt dem staunenden Publikum für Geld seine Schießkünste. Bis der frisch aus dem Knast entlassene Kopfgeldjäger Clint (Mimmo Palmara, „Poker mit Pistolen“), eigentlich Clips, ihm nachstellt.

Der nämlich hält Django/Bill für John Coler, im Deutschen Joe, was aufgrund der ursprünglich intendierten Verwandtschaft auch denkbar plausibel erscheint. So muss die Synchronfassung, damit sie nicht in Erklärungsnot gerät, später noch ein paar aufschlüsselnde Sätze auftischen, wenn die Protagonisten gerade mal nicht der Kamera zugewandt sind. Clint/Clips verfügt über ein Papier, das für die Ergreifung Johns/Joes 20.000 Dollar Belohnung in Aussicht stellt – lebend wohlgemerkt. Vor Jahren hat er einen Haufen Gold aus Armeebeständen stibitzt und hält sich seitdem versteckt. Nur noch ein paar weitere Tage und es verstreicht die Frist auf seinen Steckbrief, so dass er ungeschoren davonkäme.

Gerade als Clint/Clips den falschen John/Joe, also Django/Bill, festsetzt, werden beide vom mexikanischen Bandenchef Sancho (so blass wie dick: Romano Magnino, „Auf die Knie Django“) in Beschlag genommen. Der will, ganz der vorausplanende Gierhals, sowohl die Beute, als auch die Prämie einstreichen. Als aber beide Gefangenen getrennt voneinander die Flucht ergreifen und den gesuchten Räuber in einem verlassenen Städtchen aufspüren – in dem sich selbstredend auch Djangos/Bills Schaustellerkumpan Charlie (Franco Giornelli, „Der Einsame aus dem Westen“) und die Outlawclique einfinden – steht der bereinigenden Problemlösung durch Waffengewalt nichts mehr im Wege.

Abseits gestellt wirkender Rangeleien bemüht sich Domenico Paolella („Die gnadenlosen zwei“) um Realismus. Er folgt nicht unmittelbar den zynisch-brutalen Gesetzen des Spaghetti-Westerns, sondern setzt vermehrt auf zwischenmenschliche Konflikte ohne plumpes Vergeltungsmotiv. Der gelungenen Auftaktsequenz im Käferübersäten Kerker folgt jedoch rasch formale Routine. Der Plot schleicht behäbig seiner Wege, was auch die ansehnlichen Darsteller und der klassische Score von Coriolano Gori („Sartana – Im Schatten des Todes“) nicht vergessen machen. Bei aller finalen Tragik hätte aus der ungewöhnlichen Grundidee mehr werden können, als dies wenig mitreißende Western-Drama.

Wertung: (5 / 10)

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