Bandidos (I/E 1968)

bandidosBevor Massimo Dallamano („Der Tod trägt schwarzes Leder“) selbst ins Regiefach wechselte, verdingte er sich als Kameramann und rückte unter anderem „Drei gegen Sacramento“ (1963) und die bahnbrechenden Sergio Leone-Filme „Für eine Handvoll Dollar“ (1964) und „Für ein paar Dollar mehr“ (1965) ins rechte Licht. Er selbst, der mit „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ auch die Edgar Wallace-Reihe bereicherte, inszenierte lediglich einen Italo-Western, sein Spielfilmdebüt „Bandidos“. Heute fast vergessen, gilt es dies glänzende B-Picture für Fans unbedingt neu zu entdecken.

Alles beginnt mit einem Zugüberfall, bei dem die Bande des gefürchteten Billy Kane (Venantino Venantini, „Il Nero – Hass war sein Gebet“) mit Hilfe des Mexikaners Vigonza (Cris Huerta, „Bleigewitter“) jeden Passagier brutal tötet. Gegenwehr leistet nur der bekannte Kunstschütze Richard Martin (Enrico Maria Salerno, „Django – Unbarmherzig wie die Sonne“), ein alter Weggefährte Kanes, der jedoch den Kürzeren zieht und beide Hände zerschossen bekommt. Jahre später tingelt er als heruntergekommener Schausteller durchs Land. Als er den talentierten Jungspund Ricky Short (Terry Jenkins, „Westwärts zieht der Wind“), einen flüchtigen Sträfling, aufliest, scheint die Zeit der Abrechnung gekommen.

Dieser ungewöhnliche Repräsentant der europäischen Pferdeoper ist frei von strahlendem Heldentum. Die Übergänge zwischen Gut und Böse sind fließend, was sich besonders in der Charakterisierung Billy Kanes zeigt. Das ist erst einmal kein Novum, mehr ein fast obligater Wesenszug. Seine Stärken spielt Dallamano in der ausgefeilten Dramaturgie der wendungsreich konstruierten Geschichte aus. Die bleibt formal zwar ohne nennenswerte Höhepunkte, verfügt aber über ausreichend Tiefgang, was den meisten Racheplots jener Ära eindeutig abgesprochen werden muss.

Bei dem eingangs vollzogenen Überfall hinterging Kane den Gefährten Vigonza, der es mit der Zeit selbst zum respektierten Bandenführer brachte. Auch er strebt nach Rache, fürchtet den Rivalen im offenen Duell aber so sehr, dass er Martins Schützling für seine Zwecke einspannt. Doch Ricky verbündet sich mit dem Feind aus eigennützigen Motiven, was seinen Mentor zu einem fatalen letzten Griff zur Waffe bewegt. Das ansehnliche Schauspiel wird vom souveränen Score Egisto Maccis („Der Rosengarten“) in seinen emotionalen Spitzen gestützt. Der Bleigehalt steht nicht im Vordergrund, gibt aber spätestens im packenden Showdown den Ton an. Für Genre-Connaisseure eine klare Empfehlung.

Wertung: (7 / 10)

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