Dinocroc (USA 2004)

dinocrocDass Produzent und Regisseur Roger Corman durch seine unerschütterlichen Verdienste im Bereich preisgünstiger Film-Offerten (in beiden Positionen zusammen dergleichen rund 400!) einst die Pforten für spätere New Hollywood-Gardisten wie Francis Ford-Coppola oder Martin Scorsese aufstieß, gerät im Angesicht der Vielzahl haarsträubender Machwerke gern in Vergessenheit. Seit mehr als vier Dekaden verwertet der heute 78-jährige „König der B’s” nunmehr abflauende Kinotrends und vor Klischees berstende Subgenres, etablierte den Biker-Film als Prolog auf Hoppers „Easy Rider” und ließ unzählige Monster und Mutationen über die Menschheit herfallen. Wenig verwundern mag es somit, dass zwei Jahre nach dem letzten Gastspiel Spielberg’scher Saurier in Joe Johnstons „Jurassic Park 3″ noch immer prähistorisches Schuppengetier über den Bildschirm kreucht. Dass der alternde Trash-Titan offenkundig einen Faible für selbige hegt, bewies Corman bereits mit der possierlichen „Carnosaurus”-Trilogie. Doch genau dieser Preferierung wird mit „Dinocroc” nachhaltig die Krone aufgesetzt.

Gar gräuliches geschieht im Naherholungsgebiet des Grant Lake. Wiederholt verschwinden Tiere und Menschen in den Tiefen des Sees. Die Spur führt Sheriff Harper (Russ Meyer-Veteran Charles Napier , „Skeeters”) zur Gereco Corporation und der zwielichtigen Wissenschaftlerin Paula Kennedy (Joanna Pacula, „Tombstone”). Und tatsächlich bildet ein außer Kontrolle geratenes Experiment des Instituts, weltweit führend auf dem Sektor prähistorischer Gen-Forschung, den Ursprung der mysteriösen Todesfälle. Eines der geklonten Versuchstiere konnte entkommen, eine gefräßige urzeitliche Killerechse. In die Wirren der verlustreichen Monsterhatz geraten unvermittelt die Tierschutzbeauftragte Diane (Jane Longenecker, „The Coroner”) und der rebellische Heimkehrer Tom (Matt Borlenghi, „Blood Surf”). Zusammen mit dem jagderfahrenen Reptilienexperten Dick Sydney (Costas Mandylor, „Gangland”) versucht das Duo die unerbittliche Kreatur zur Strecke zur bringen. Doch erweist sich der blutgierige Saurier als renitenter Opponent im Kampf ums Überleben…

Von „Der weiße Hai” bis „Jurassic Park”, von „Piranha” bis „Arac Attack” zusammengestückelt aus dramaturgischem Gedärm namhafter Vorreiter, manifestiert sich „Dinocroc” in formal gehobenem ‘Straight-to-Video’-Trash für resolute Allesseher. Überschattet von manch überzeugend in Szene gesetzter Sequenz herrscht auch am Grant Lake vornehmlich dröges Dialoggewirr in reger Regentschaft mit blassen Darbietungen immerhin passabler Darsteller. Den absoluten Höhe- bzw. Tiefpunkt des von Roger Corman als ausführender Produzent begleiteten Monster-Mumpitz formiert jedoch das dilletantisch generierte Vorzeit-Untier. Jenes residiert in seinem pixeligen Unvermögen gar noch im Schatten der grenzdebilen Gummi-Raptoren aus „Carnosaurus 3″.

Schamlos geklaut, doch im Kern seines eklatanten künstlerischen Vakuums durchaus freudespendend, beweist „Dinocroc” hinsichtlich der inhaltlichen Gegebenheiten Mut zur logischen Lücke. Gejagt wird immer nur Nachts, von wenigen Männern in schlechter Ausrüstung. Und hat man das Viehzeug dann im eigens nach bester „A-Team”-Manier gezimmerten Verschlag festgesetzt und aus dem Leben gegast, zieht die Obrigkeit unverzüglich Leine und wässert den Nährboden für eine erstrebenswert unerstrebenswerte Fortsetzung. Zumindest zeigt Regie-Debütant Kevin O’Neil, von „Blade” über „Spiders” bis „Xena” unermüdlich an Spezialeffekten werkelnd, schier visionäre Schaffenskraft, indem er den obligatorischen Klischeebengel (Jake Thomas, „A.I. – Artificial Intelligence”) fachgerecht verknuspern lässt. Im Gegenzug darf zumindest dessen dreibeiniger Schoßhund überleben. Aber man kann ja nicht alles haben. Schließlich und endlich in ein abstruses Finale mündend, bleibt gediegener Unterhaltungsdung mit integrierter Grinsegarantie. Ein echter Corman eben!

Wertung: (3 / 10)

scroll to top