Die Tribute von Panem: Mockingjay – Teil 1 (USA 2014)

die-tribute-von-panem-mockingjay-teil-1„You can torture us, and bomb us, or burn our districts to the ground. But do you see that? Fire is catching. If we burn, you burn with us!“ – Feurig: Katniss

Auf zum letzten Gefecht – Teil eins. Denn auch das Finale von „Die Tribute von Panem“ ist, wie sollte es anders sein, zweigeteilt. Angesichts der Vorlage scheint das durchaus verständlich. Nur wollen windige Produzenten häufig den Eindruck erwecken, ihnen ginge es mehr darum, dem zugrunde liegenden Roman gerecht zu werden als ein zusätzliches Mal die viel zitierte Cash Cow zu melken. Dem Publikum jedoch ist das herzlich egal. Ob der Hobbit nun drei Teile braucht, um seine unerwartete (oder besser: unerwartet lange) Reise zu bewältigen oder Harry Potter auf seinem Besen eine Extrarunde durch die Lichtspielhäuser dreht, wenn der Zuschauer einmal gefesselt ist, dann lässt er sich auch weiter ködern.

Das Erstaunliche an der Panem-Saga ist jedoch, dass die typische Blockbuster-Prämisse, respektive radaugetriebene Unterhaltung ohne nennenswerten Tiefgang, jäh durchbrochen wird. Mehr noch als die Vorgänger belegt das „Mockingjay – Teil 1“, der die düstere Teen-Dystopie vom propagandistisch ausgeschlachteten Überlebenskampf einzelner zum handfesten Bürgerkrieg eskaliert. Action macht sich dabei der Vorlage entsprechend rar. Im Mittelpunkt steht die erschütterte Psyche der unfreiwilligen Revolutionsheldin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence, „Silver Linings“), die nach ihrer Befreiung aus der Hungerspiel-Arena von Schuldgefühlen, Selbstzweifeln und Alpträumen geplagt wird. Denn die Aufrührer um Alma Coin (Julianne Moore, „Still Alice“) konnten zwar sie, nicht jedoch ihren Gefährten Peeta (Josh Hutcherson, „Brücke nach Terabithia“) retten.

In einem unterirdischen Stützpunkt im vermeintlich zerstörten 13. Distrikt trifft Katniss zwar alte Verbündete wie Haymitch Abernathy (Woody Harrelson, „No Country for Old Men“), Gale Hawthorne (Liam Hemsworth, „The Expendables 2“) und Effie Trinket (Elizabeth Banks, „Zack and Miri Make a Porno“) wieder, ihr Mut scheint jedoch verflogen. Dass sie Marketing-Stratege Plutarch Heavensbee (Philip Seymour-Hoffman, „Capote“) unter dem Symbol des Spotttölpels trotzdem als Sprachrohr des Aufruhrs gegen die Herrschaft von Präsident Snow (Donald Sutherland, „JFK“) aufbauen kann, hat verschiedene Ursachen: die Vernichtung ihres Heimatbezirks durch Snows Truppen und Peetas Medienauftritte mit Caesar Flickerman (Stanley Tucci, „Spotlight“), in denen er gegen die Umstürzler Stimmung macht. Also streift Katniss, von einem Kamerateam – u.a. Natalie Dormer („Game of Thrones“) und Mahershala Ali („House of Cards“) – begleitet, durch Ruinenstädte und zeigt die wahren Ausmaße von Snows brutaler Machterhaltungsstrategie.

Die sehenswert aufspielende Jennifer Lawrence, die mit zart rauer Stimme auch Sangestalent unter Beweis stellt, ist einmal mehr Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Dass sich diese in ihrem düstersten Kapitel zum Anti-Kriegsfilm mit geradezu bitteren Gegenwartsbezügen  auswächst, ist den Machern um Regisseur Francis Lawrence („I Am Legend“) hoch anzurechnen. Bombardements im Luftschutzkeller oder der Beschuss eines Krankenhauses haben mit dem aktuellen Weltgeschehen weit mehr gemein als mit klassischer Science-Fiction. Die Wirkung wird dabei durch das propagandistische Tauziehen der Gegenseite um Katniss verstärkt. Da verblassen selbst die traditionellen, auch in den Vorläufern etablierten Gut-Böse-Schemata. Das Ende wirkt abrupt und wenig klärend. Das erhält die Spannung – selbst wenn das endgültige Finale zweifelsfrei konventionelleren Mustern folgt.

Wertung: (7,5 / 10)

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