Die Stadt der Blinden (BR/CDN/J 2008)

die-stadt-der-blinden„The only thing more terrifying than blindness is being the only one who can see.“ – die Frau des Arztes

Anfangs sträubte sich der portugiesische Autor und Literatur-Nobelpreisträger José Saramago gegen eine Verfilmung seines Romans „Die Stadt der Blinden“ (1995). Produzent Niv Fichman („Snow Cake“) und Skriptschreiber Don McKellar („Last Night“) bemühten sich, neben anderen, bereits 1999 um die Filmrechte. Saramago willigte schließlich ein, unter der Bedingung, dass das Setting für den Zuschauer keinem spezifischen Land zuzuordnen sei. Bis zur Uraufführung der aus brasilianischen, japanischen und kanadischen Geldern finanzierten Adaption vergingen jedoch neun weitere Jahre.

Als Regisseur konnte Fernando Meirelles („Der ewige Gärtner“) gewonnen werden, der die allegorische Endzeit-Vision über epidemische Erblindung vorlagengetreu umsetzte. Allerdings, und da stößt das Medium Film als kommerzielles Produkt wiederum an seine Grenzen, mit einem erzählerischen Tempo, das dies Schreckensszenario einen Teil seiner Kraft kostet. An die Grenzen des Zeigbaren geht Meirelles dennoch, wobei seine beklemmende Visualisierung des modernen Klassikers auf ein moralisches Schaubild beschränkt bleibt. Immerhin aber ein zunehmend intensives.

Die Regierung kann mit der plötzlichen Welle unerklärlicher Sehkraftverluste nicht umgehen. Also werden die Betroffenen unter Quarantäne gestellt und eingesperrt. Von Soldaten bewacht und nur spärlich mit Nahrung versorgt, kehrt mit der Überbelegung einer heruntergekommenen Heilanstalt die Barbarei ein. Unter den Blinden aber findet sich eine Frau, die sehen kann. Die, gespielt von Julianne Moore („Children of Men“), steht ihrem Mann (Mark Ruffalo, „Zodiac“) bei, einem selbst erblindeten Augenarzt. Der rasch einsetzenden Verwahrlosung steht sie jedoch hilflos gegenüber.

Der Verlust des Augenlichts steht für die ethisch moralische Blindheit des Menschen, die ihn aus selbstsüchtigen Beweggründen zu Gewalt und Unterdrückung tendieren lässt. In der Geschichte führt das zu Vergewaltigung und Mord, was Meirelles in Überblenden und subjektiven Perspektiven bevorzugt durch nebulöse weiße Unschärfen unterstreicht. Die optische Stärke und die Überzeugungskraft der Stars (u.a. Danny Glover, „Dreamgirls“) machen „Die Stadt der Blinden“ sehenswert. Vollends unter die Oberfläche der Vorlage dringt der bewegende, obgleich mitunter unglaubwürdige Film aber nicht.

Wertung: (6,5 / 10)

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