Eldorado (BE/F 2008)

eldorado-2008Die Skurrilität des nackten Mannes im Wohnmobil genügt nicht mehr. Er muss auch noch Alain Delon heißen – und sogar einen Regiestuhl mit sich führen, auf dem der Name des (lediglich gleichnamigen) französischen Altstars aufgedruckt ist. Der Absurdität mag das zu viel erscheinen, der groteske Anstrich zu gewollt wirken. Doch abseits vom falschen Delon und der Einleitung durch Jesus Christus, der nicht Erlöser, sondern Clochard mit Zauselbart und rotem Stirnband ist, bleibt Bouli Lanners’ („Ultranova“) Road Movie „Eldorado“ sympathisch entrücktes Abseits-Kino für ein Nischenpublikum.

Mehr als überschaubare Zuschauerzirkel lassen sich mit Filmen wie diesen nicht vor die Leinwand locken. Der Bruch mit erzählerischen Konventionen fällt also denkbar leicht. Ebenso der Blick auf das Provinzielle, das Abgeschiedene, nicht selten das Hässliche. Für all das steht Autoschrauber Yvan (Regisseur, Autor und Darsteller: Lanners), der amerikanische Wagen importiert und für Liebhaber in der belgischen Heimat auf Vordermann bringt. Eines Abends überrascht er den Junkie Elie (Fabrice Adde) bei der Plünderung seines Hauses. Der holprige Beginn einer flüchtigen Freundschaft.

Elie, der eigentlich Didier heißt, versteckt sich unter dem Bett. Anstatt die Polizei zu alarmieren, hält Yvan im Sessel wache. Am nächsten morgen, nachdem der nutzlose Einbrecher mit einem geschleuderten Stück Auspuffrohr an der Flucht gehindert wurde, nimmt ihn Yvan ein Stück im Auto mit. Dieser Weg wächst zur Reise ins Ungewisse. Eine Etappe ist Elies Elternhaus. Mal schweigend, mal wie trotzige Kinder die immer gleichen Antworten entgegnend, entspinnt sich für die Männer ein Trip in die von sonderbaren Gestalten gesäumte Pampa, in der Lakonie und Trübsal auf Bäumen zu wachsen scheinen.

Die Natur wirkt reichhaltig, an Baumwipfeln, an grünen Weiten. Umso verlorener muten die Protagonisten an. Sie mäandern durch heitere und tragische Szenen, teilen sogar vereinzelt intime Momente. Aus ihnen lassen sich Motive und Beweggründe ableiten, deren Interpretation jedoch vage bleibt. Am Ende, wenn eine Gasse voller Prostituierter den urbanen Kontrast nachzeichnet, trennen sich die Wege der Zufallsfreunde, die eigentlich Fremde bleiben. Zu guter letzt wird ein Hund beerdigt. „Eldorado“ bleibt seltsam spröd und leer, im Titel offensichtlich bitter ironisch, und steckt bei aller Einsamkeit doch voller Leben. Wer sich darauf einzulassen weiß, erlebt ein verschrobenes Kleinod.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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