Die Lokalmatadore – Alle unsere Schalke Lieder (2011, Teenage Rebel Records)

die-lokalmatadore-alle-unsere-schalker-liederDie LOKALMATADORE machen Musik für ein Nischenpublikum. Oder, wie es die Kollegen der artverwandten KASSIERER einst so trefflich formulierten, „für beide Ohren“. Es sind simple Lieder zwischen Rock ´n Roll und Punk, die da seit mehr als 20 Jahren aus dem Ruhrpott, genauer Mülheim/Ruhr, in die Republik schwappen. Sie handeln vom Joch des kleinen Mannes, Alkoholismus, Pipi und Geschlechtsteilen. Und vom Fußball. Dafür kann man sie leicht gern haben. Denn dem tierischen Ernst des Lebens stellen die sympathischen Proleten simplifizierten Nonsens gegenüber. Oder eben Fußball. Wobei das als bekennende Fans des FC Schalke 04 wahrlich nicht immer leicht fällt.

„Alle unsere Schalke Lieder“ kompiliert sämtliche Songs der LOKALMATADORE um den Gelsenkirchener Verein. Dabei kommen alte Beiträge, unter dem Namen POKALMATADORE auf der längst vergriffenen „Dat is Schalke“-EP verewigt, ebenso zum Zuge wie gänzlich neu geschriebene Stücke. Textlich ist das naturgemäß recht eintönig. Da hilft auch die Dreingabe des Klassikers „Fußball, Ficken, Alkohol“ (mit „Kambodscha Express“ von der LP „Heute ein König… Morgen ein Arschloch“) oder das schick rockig rollende „Ein Abend im Posthorn“ (wie „Das Steigerlied“ vom jüngsten Album „Söhne Mülheims“) wenig. Denn eines sollte vom Fleck weg klar sein: Abseits der königsblauen Zielgruppe entpuppt sich der Reiz dieser Zusammenstellung doch als arg limitiert.

Für den gemeinen Fan des Rasenschachs bietet immerhin „Berg und Tal mit S04“ glaubhafte Einblicke in die Seelenpein des blau-weißen Anhangs. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen und Schalke hat durch die gewaltige Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ein Polarisationspotenzial entwickelt, das wohl nur noch von den Münchner Bayern übertroffen wird. Immerhin musikalisch gibt es das ein oder andere Aha-Erlebnis, geben doch verschiedene bekannte und weniger bekannte Nummern anderer Künstler (u.a. KISS) den Takt für die im Booklet knackig erläuterten Huldigungen vor. Aber reduziert auf den Fußball machen die LOKALMATADORE eben nur halb so viel Spaß. Zumindest all denjenigen, denen der Gelsenkirchener Traditionsverein (traditionsgemäß) stramm am Arsch vorbei geht.

Wertung: (6 / 10)

 

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