Die Lokalmatadore – Heute ein König… morgen ein Arschloch (1994, Teenage Rebel Records)

lokalmatadorekoenigDer Ruhrpott hat, ohne jede Frage, seinen eigenen Charme. Im nordrhein-westfälischen (Industrie-)Ballungsraum ist das Proletariat zu Hause und verliert die Herzen bevorzugt an semi-erfolgreiche Traditionsclubs der ersten bis dritten Fußballklasse. Die Menschen sind rau aber herzlich, Malocher eben, die zwar den Job, nicht aber die Hoffnung verlieren. In dieser durchaus eigenen Welt, in der die Städte nicht zwangsweise schön sein müssen, um lebenswert zu erscheinen, findet sich auch – dank PÖBEL & GESOCKS oder den mächtigen KASSIEREN – das Epizentrum des deutschsprachigen Proll-Punks.

Dort, genauer in Mühlheim/Ruhr, mischen seit den frühen Achtzigern auch die LOKALMATADORE mit, die „Männer Rock´n´Roll“ spielen und sich in der Hauptsache mit den Themen „Fußball, Ficken, Alkohol“ beschäftigen. Dabei kann es, wie der dritte Langspieler „Heute ein König… Morgen ein Arschloch“ (1994) zeigt, durchaus tiefsinnig zugehen (siehe „Wenn ein Mensch lebt“). Natürlich könnte man ihnen eine gewisse Niveaulosigkeit attestieren, weil die Geschlechterrollen zwischen Sexismus und Machotum doch recht archaisch, vielleicht sogar primitiv, wirken. Aber wer sich am zelebrierten Asozialismus und dem gesunden Augenzwinkern stößt, der soll doch einfach mal den Kopf aus dem Arsch ziehen!

Eine (textliche)Weide für die Ohren ist bereits der Opener „Bethelarm“, dem die oben angeführte Jahrhunderthymne „Fußball, Ficken, Alkohol“ folgt. Gefühle zeigen die stolzgeschwellten Bierbäuche mit „Barbara“, „Erika“ (der asozialen Pommesfee) oder „Herz aus Gold“ – und ja, auch bei „Whitney aus Surinam“. Musikalisch gibt es von allem etwas. In der Hauptsache rotzigen Punk mit Mitgrölrefrains. An vorderster Front: „El Lokalmatador“ und „Mühlheim/Ruhr“. 17 Nummern (inklusive Rülps-trächtiger Version von „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“) sind des Guten nicht einmal zu viel. Kundige Zungen halten „Heute ein König…“ für das unterhaltsamste und somit auch beste Werk der LOKALMATADORE. Der Schreiber dieser Zeilen schließt sich ihnen (ob mit ob ohne Bier) gerne an!

Wertung: (8 / 10)

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