Die Dorks – Der Arsch auf deinem Plattenteller (2018, CoreTex Records/Cargo Records)

Kunst braucht Regeln. Basta! Wo kämen wir denn hin, wenn das klassische Schubladendenken durch kreative Köpfe ausgehebelt würde, die althergebrachte Genregrenzen einfach überwinden? Eben. Dass es trotzdem – und glücklicherweise – anders geht, beweisen auch DIE DORKS. Die spielten früher Deutsch-Punk. Dann kam der Metal hinzu. Die Songs wurden länger, die Strukturen freier. Der (vorläufige) Höhepunkt dieser Entwicklung: „Der Arsch auf deinem Plattenteller“. Album Nummer sechs. Darauf verewigt sind satte 17 Tracks in rund 76 Minuten. Vom klassischen Punk ist das weit entfernt. Gut so.

Statt Drei-Akkorde-Vollgas setzt es vielschichtige Riffs und Melodiebögen, die den meisten Beiträgen eine Spielzeit von deutlich über vier Minuten bescheren. Das war auch auf den beiden Vorgängern so, nur hat das süddeutsche Sextett stilistisch endgültig jegliche Scheuklappen abgestreift. So werden Metal und Punk von Synthesizer- und Keyboardklängen untermalt, während Härte und Tempo punktiert zugunsten von Classic-Rock- und selbst Blues-Anklängen reduziert werden. Auch die Stimme von Frontfrau Lizal erscheint gereift. Vom zeitweiligen Krakeelen der Vergangenheit ist nichts mehr übrig. Stattdessen geht es gesanglich über weite Strecken harmonisch zu. An der Kraft der Texte ändert das nichts.

Neben den zu erwartenden politischen Botschaften, glasklar transportiert in „Die Trümmer der Zivilisation“, „Wenn die Angst zum Zeitgeist wird“ oder „Die Zeit der Lügengesten“, sind DIE DORKS diesmal aber mehr bei sich, respektive ihrer Musik. Ob nun „Der Arsch auf meinem Plattenteller“, „Der Stock im Arsch des Undergrounds“ oder „Weil es jeder von uns braucht“, die von Selbstreflexion überlagerten Seitenhiebe gegen die Musikindustrie ziehen sich wie ein (zweiter) roter Faden durch das Album. Dazu passen auch der „Mach die Dorks aus Blues“ sowie der abschließende „Hidden Dreck“. Als Schmankerl holt Lizal bei „Zu fett für deine Lederjacke“ überdies zum Duett mit Ober-KASSIERER Wölfi aus. So viel geballte Kunst auf einmal ist fast schon zu viel des Guten. Aber wo keine Regeln gelten, kann man immerhin noch Überraschungen erleben. Ein großes kleines Musikwerk.

Wertung: (8 / 10)

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