Der Fluch der goldenen Blume (CN/HK 2006)

der-fluch-der-goldenen-blumeDer chinesische Filmemacher Zhang Yimou („Rote Laterne“) zählt zu den großen Regisseuren seines Landes. Seine Werke werden von Seiten der Kritiker – und einem ausgewählten Konsumentenkreis – stets international gefeiert. Eine breitere Öffentlichkeit nahm allerdings erst mit seinem ersten Martial-Arts-Film „Hero“ Notiz von ihm. Es folgte „House of Flying Daggers“ und mit „Der Fluch der goldenen Blume“ erscheint nun das dritte aufeinanderfolgende Eastern-Epos, das sich von seinen beiden direkten Vorgängern aber doch etwas unterscheidet.

Der chinesische König (Chow Yun-Fat) kehrt nach längerer Abstinenz an den Hof zu seiner Ehefrau (Gong Li) und seinen drei Söhnen zurück. Diese hat mit einem ihrer Söhne – dem Kronprinzen Wan (Liu Ye) – ein Verhältnis, von dem der König weiß. Nicht nur aus diesem Grund nutzt der Regent eine scheinbare Krankheit seiner Gattin, um diese mit einer bestimmten Arznei langsam vergiften zu können. Doch auch sie kommt hinter die Pläne ihres Gatten und kann ihren Sohn Jai (Jay Chou) davon überzeugen, am Chrysanthemenfest einen Putschversuch gegen den König zu starten. Doch auch diese Pläne sind dem König nicht verborgen geblieben und er wappnet sich für den Gegenschlag.

Mit seinem neuen Film zeigt Zhang Yimou einen bunten Intrigantenstadl am fernöstlichen Königshof. Das Hauptaugenmerk liegt nicht – anders als es der Trailer vermuten lässt – auf den Martial-Arts-Szenen, so wie es noch bei „Hero“ der Fall war. Vielmehr hat sein neues Werk den Charakter eines Bühnenstücks, an dem Shakespeare seine helle Freude gehabt hätte. Die Bürden der einzelnen Personen wiegen schwer, verursacht durch zu hohe Erwartungshaltungen anderer, mangelnden Entfaltungsmöglichkeiten oder schlichtweg fehlender Beachtung. Die Konstellationen und Bündnisse, die sich aus diesen persönlichen Tragödien bilden, sind das Kernstück der Geschichte.

Die schauspielerischen Leistungen sind allesamt gut, allen voran das ungleiche Paar Chow Yun-Fat und Gong Li überzeugen in ihren Rollen. Den beinahe tyrannischen König weiß der Action-Star („Hard Boiled“) mit finsterer Miene ebenso überzeugend darzustellen, wie Li („Hannibal Rising“) die verzweifelte, darüber aber nicht minder gefährliche Gegenspielerin. Auch optisch weiß der Film zu überzeugen. Die kräftigen Farben des Palastinneren, aber auch die direkte Umgebung zeugen vom übertriebenen Pomp der damaligen Zeit. Eingefangen von längeren Kamerafahrten entwickelt Yimou wieder einmal eine einzigartige Atmosphäre.

Lange warten muss man hingegen auf die perfekt inszenierten Kampfkunstelemente. Der Plot zieht sich, trotz seiner im normalen Rahmen liegenden Laufzeit, da Yimou seine Charaktere in den Vordergrund stellt. Erst später, wenn in betörenden Bildern eine Poststation überfallen wird, zieht Yimou das Tempo an und erhöht den Actionanteil um ein Vielfaches. Die Kampfszenen sind abermals atemberaubend inszeniert, gerade wenn ein großes, in goldenen Farben gehülltes Heer auf eine graue Übermacht trifft.

Wieder einmal gelang Yimou ein bewegender Rausch für die Sinne. Allerdings kommt sein neues Werk nicht um die eine oder andere Länge herum, gerade der Mittelteil zieht sich arg, was aber durch ein furioses Finale entschädigt wird. Vielleicht nicht sein stärkster Film der vergangenen Jahre, was aber diejenigen anders sehen könnten, denen der Martial-Arts-Zusatz zuletzt etwas zu hochdosiert ausfiel.

Wertung: (6,5 / 10)

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