Der Fischer und seine Frau (D 2005)

der-fischer-und-seine-frauChristian Ulmen ist der Mann der Stunde. Der ehemals erfrischend uncoole MTV-Moderator, der mit der Anarchoserie „Mein neuer Freund“ gleich einen Meilenstein in der TV-Landschaft der letzten Jahre markierte, ist seit seiner Paraderolle in „Herr Lehmann“ auch von den Kinoleinwänden dieser Nation nicht mehr wegzudenken. Da war es eine Frage der Zeit, bis die Beziehungsfilmveteranin Doris Dörrie („Männer“) auf ihn aufmerksam wurde. In ihrer Neuinterpretation des Grimm’schen Märchens „Der Fischer und seine Frau“ stellt sie ihm die bezaubernde Alexandra Maria Lara („Der Untergang“) an die Seite und liefert so einen weiteren Film über Männer, Frauen und warum das alles nicht so einfach ist.

Koi-Karpfen sind das Leben von Otto (Christian Ulmen, „Elementarteilchen“) und seinem Freund und Kollegen Leo (Simon Verhoeven, „Das Wunder von Bern“). Auf einer Tour durch Japan treffen sie die junge Designerin Ida (Alexandra Maria Lara, „Nackt“), die sie ein Stück mitnehmen. Gut 10 Stunden später sind Otto und Ida verheiratet. Sie ziehen zusammen in einen Wohnwagen, in dem Otto Fische behandelt. Als Ida schwanger wird, reicht ihr das einfache Leben nicht mehr. Also ziehen sie in eine Wohnung. Als Idas Entwürfe anfangen, sich zu verkaufen und Otto seine Berufung als Hausmann gefunden hat, steigen ihre Ansprüche immer weiter. Doch Otto ist glücklich mit dem was sie haben. Der Konflikt ist vorprogrammiert.

„Der Fischer und seine Frau“ ist ein netter kleiner Film. Christian Ulmen spult sein unverwechselbares, aber immer wieder schönes Paradeprogramm vom verschrobenen Mann in der Krise ab, Alexandra Maria Lara, die ganz im Stile von „Vom Suchen und Finden der Liebe“ die Mischung aus liebem Seelchen und Karrierefrau gibt, komplettiert das Fundament, auf dem die charmante Komödie steht. Natürlich erreicht „Der Fischer und seine Frau“ dabei nie den Level der wohl besten Doris Dörrie-Filme vom Schlage von „Bin ich schön?“. Dafür reichen die beiden Hauptdarsteller allein nicht aus. Denn diese Ensemblefilme, wie zuletzt auch „Nackt“ leben von der Vielfalt der Figuren, Handlungen und vor allem Dialoge. Hier wird das wirklich gute Drehbuch einfach auf eine zu schmale Basis gestellt, um sein volles Potential ausspielen zu können. Und auch wenn einige Nebenrollen durchaus gut besetzt sind, bleibt der Fokus immer auf dem Hauptdarstellerpaar. Da hilft auch der fantastische Auftritt von Christoph Maria Herbst nicht.

Trotzdem war, ist und bleibt Doris Dörrie die einzige deutsche Regisseurin, die noch Beziehungskomödien drehen darf. „Reine Formsache“ hat in der jüngeren Vergangenheit noch einmal gezeigt, wie man es nicht macht. Und auch wenn „Der Fischer und seine Frau“ für keinen der Beteiligten einen Meilenstein in der Karriere darstellen dürfte, ist er doch eine gute Komödie, die eine wahrlich neue Interpretation eines stark betagten Stoffes bietet. Alles in allem ein schöner Film.

Wertung: (7 / 10)

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