Wo ist Fred? (D 2006)

wo-ist-fredEs ist mal wieder soweit. Der Zunft der deutschen Filmemacher sind wohl einmal mehr die Ideen ausgegangen – und immer wenn das passiert, dreht man am besten was? Richtig, eine romantische Komödie. Die sind leicht zusammengezimmert. Man nehme ein bis drei halbwegs große Namen, einen Grinsekatzensidekick und schreibe bei seinen Vorgängern eine Dreiecksgeschichte ab, bei der am Ende die sympathischeren und vor allem natürlicheren beiden zusammen finden? Zu simpel? Leider nicht.

Für Fred (Til Schweiger, „Der bewegte Mann“) geht es aufwärts. Bei seinem Job auf dem Bau ist er das unbestrittene Alphatier und er ist verlobt mit der äußerst ansehnlichen Mara (Anja Kling, „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“), die nebenbei noch die Tochter seines Chefs ist. Doch bevor für die beiden die Hochzeitsglocken läuten können, muss sich Fred noch mit Maras Sohn anfreunden. Der sperrt sich nun aber völlig gegen die betonte Freundlichkeit seines Stiefvaters in Spe. Nur wenn Fred ihm einen Ball des besten Basketballspielers von Alba Berlin besorgt, will der Giftzwerg sein OK geben. Das ist jedoch gar nicht so leicht, denn die Bälle werden immer nur auf die Behindertentribune geworfen – also muss Fred sich was einfallen lassen. Ratzfatz setzt er sich in einen Rollstuhl und lässt sich von seinem Kumpel Alex (Jürgen Vogel, „Nackt“) ins Stadion bringen. Tatsächlich fängt er den ersehnten Ball, doch nun kommen neue Probleme auf ihn zu: Fred soll in einer Dokumentation über die behinderten Fans von Alba mitspielen, die die junge Denise (Alexandra Maria Lara, „Vom Suchen und Finden der Liebe“) dreht.

Zugegeben: Das könnte lustig werden. Gerade dem verordneten Tabubruch verdankt „Wo ist Fred!?“ seine besten Szenen. Wenn sich Freds künftige Schwiegermutter beim Abendessen nicht mehr anders zu helfen weiß als darauf hinzuweisen, dass „der Schäuble ja auch behindert“ sei, dann ist das schon herrlich und für einen deutschen Film mit dieser Besetzung ungewöhnlich schwarz. Blöderweise scheint Regisseur Anno Saul („Kebab Connection“) dann doch Angst vor der eigenen Courage zu bekommen und spült den Rest des Streifens so unsagbar weich, dass jede Spur von Kontroverse vollkommen unter geht. „Wo ist Fred!?“ verschenkt so jede Menge Potential. Allein die Nebenrolle von Christoph Maria Herbst hätte so schön sein können – verliert sich dann aber in zu harmlosen Klischees. Ähnliches gilt für Jürgen Vogel. Diesen sonst doch so herausragenden Mimen hat man wohl noch nie so schlecht und farblos gesehen. Seine Rolle hätte vielleicht zu Oliver Korittke gepasst, Vogel ist hier chronisch unterbeschäftigt.

Und auch die erste Reihe der Darsteller erlaubt sich hier jede Menge Mängel. Gut, Til Schweiger war noch nie ein schauspielerischer Koloss – aber dass er solche Rollen eigentlich besser drauf hat, wissen wir spätestens seit „Der bewegte Mann“. Restlos enttäuscht wird man von Alexandra Maria Lara, die hier nur zum (einmal mehr) äußerst schmückenden Beiwerk verkommt. „Wo ist Fred!?“ ist ein recht dröger Film von der Stange, der sein vorhandenes Potential einfach nicht nutzen zu wollen scheint. Die Schuld daran liegt zum einen beim schwachen Drehbuch und der zu braven Inszenierung, zum anderen sicher auch an der Wahl der Darsteller, die eigentlich durch die Bank mehr aus ihren Rollen holen müssten, sich aber irgendwann ins für das Genre übliche Overacting zurückziehen. So ist der Film mit seinen 107 Minuten erstens zu lang und zweitens deutlich zu lahm.

Wertung: (4 / 10)

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