Der Dicke in Mexiko (I/E/F 1972)

der-dicke-in-mexikoEin klassischer Schauspieler ist Bud Spencer („Der Bomber“) nie gewesen. Er ist ein markanter Typ, der des gemütlichen bärbeißigen Dicken mit der strammen Rechten. Zeit seiner nunmehr fast vier Jahrzehnte währenden Karriere verkörperte er kaum eine andere Rolle als diese. Seine stärksten Vorstellungen bot er im Duett mit Terence Hill, während er als Einzelgänger meist wenig Achtbares auf den komödiantischen Weg brachte. Einen der exemplarischsten Auftritte jener von mittelprächtigem Klamauk beherrschten Phase absolvierte der menschliche Dampfhammer in „Der Dicke in Mexiko“, auch bekannt unter den Titeln „Halleluja… Amigo“ und „Die Brillenschlange und der Büffel“.

Darin mimt Spencer Hiram „Dickie“ Coburn, einen vom Pech und Jack Palance („Der Colt Gottes“) verfolgten Glücksritter. Palance ist Sonny Bronston, der seine Schwester Mary (Dany Saval, „Ein irrer Typ“), angeblich von Coburn defloriert, im Gegenzug an ihn verheiraten will. Dem flüchtigen Freigeist passt das natürlich überhaupt nicht in den Kram. Zumal er unterwegs den Waisenjungen Chip (Renato Cestié, „Die Teufelsschlucht der wilden Wölfe“) aufliest, der ein Stück Land geerbt hat. Hinter dem sind allerdings auch ein paar zwielichtige Gestalten her, so dass der füllige Held wieder alle Fäuste voll zu tun hat, den Strolchen Manieren beizubringen.

Das Problem von Maurizio Lucidis („Ein Halleluja für Django“) Western-Komödie, trotz Handlungsschnitten in der deutschen Fassung von zäher Erzählung, ist der infantile Klamauk. Der wirkte bereits in den ursprünglichen Synchronisationen (siehe Alternativtitel) altbacken, was sich die deutschen Übersetzer aber in dieser Fassung einfallen ließen, grenzt an humoristischen Kahlschlag der plattesten Sorte. Bud spricht, wenn er offensichtlich den Mund geschlossen hat und bekommt ein sprechendes Pferd angedichtet, das weder Sinn erfüllt noch Vergnügen bereitet. Witzig ist das beileibe nicht, noch nicht einmal zum Wiehern.

Der Plot bleibt eine lose Verkettung von Fluchtszenarien, Kinderhütung und Keilereien. Entweder grimassiert sich Palance durch eine immerhin mit Wonne chargierte Nebenrolle oder Bud verstrickt sich in Faustkämpfe mit gesetzlosem Gesindel. Denn natürlich beinhaltet der vermeintlich wertlose Grund des kleinen Chip eine Hinterlassenschaft enormem Wertes. Hier und da darf mal geschmunzelt werden, unterm Strich bleibt aber kaum mehr als eine halbgare und ebenso halbherzige Western-Posse. Da können die paar solide in Gaunervisagen platzierten Backpfeifen auch nichts mehr richten. Selbst für hartgesottene Fans des Hauptdarstellers mit Vorsicht zu genießen.

Wertung: (4 / 10)

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