Der Colt Gottes (I/IL 1976)

der-colt-gottesDie Cousins Menahem Golan und Yoram Globus haben seit dem Aussterben der Wikinger keinen guten Film mehr auf den Weg gebracht. Bevor sie Amerika in den Achtzigern mit teuer produzierten B-Actionstreifen – gern mit Charles Bronson oder Chuck Norris in den Hauptrollen – überrollten, versuchten sie sich in verschiedenen Genres. Auch dem siechenden Spaghetti-Western bescherten sie mit „Der Colt Gottes“ ein spätes Aufbäumen, was einen beachtlichen Cast und einen namhaften Regisseur vor israelischer Kulisse zusammenbringt. Die Vorzeichen stimmen, nur erweist sich das Endprodukt als käsiger Murks zum Schieflachen.

Als die Clayton-Gang in Juno City Unheil stiftet, macht sich Priester John (Lee Van Cleef, „Für ein paar Dollar mehr“) auf den Weg und stibitzt der schlafenden Bande ihre Feuerwaffen. Mehr noch fordert er die Herausgabe eines kaltblütigen Mörders, was Anführer Sam (Jack Palance, „Lasst uns töten, Compagneros“) nicht auf sich sitzen lassen will. Also wird der Geistliche vor seiner Kirche mit Kugeln gespickt, während sich die Banditen in der Stadt breit machen. Nur der junge Johnny (Leif Garrett, „Der Große aus dem Dunkeln“), Spross der Saloon-Besitzerin Jenny (Sybil Danning, „Das Tier II“), begehrt auf und macht sich auf die Suche nach Johns Zwillingsbruder Lewis (auch Van Cleef).

Der schlichte und reichlich naive Spät-Western schießt schauspielerisch voll ins Kraut und ist dramaturgisch so flach wie eine Flunder. Van Cleef und Palance bleiben hinter ihren Möglichkeiten, wenn man die unmotivierte Grinseparade der beiden denn überhaupt als Möglichkeit in Betracht ziehen will. Dazu trägt der spätere Teenie-Star Garrett reichlich dick auf und sorgt für manche Plattheit, wenn er über den Verlust des väterlichen Freundes die Sprache verliert oder im benachbarten Mexiko auf Lewis trifft, was ihm aufgrund der frappierenden Ähnlichkeit erst mal einen Schlag versetzt.

Wüsste man es nicht besser, „Der Colt Gottes“ ginge als gesteigerter Demofilo Fidani durch. Auf dem Regiestuhl saß aber keineswegs der berüchtigte Schundfilmer, sondern Gianfranco Parolini, der mit der „Sabata“-Reihe wahres Können unter Beweis stellte. Mit altem Ruhm allein lässt sich dieser kapitale Bock jedoch nicht entschuldigen. Zugute halten muss man dem Film indes seinen possierlichen Unterhaltungswert, zerrt die arge Unglaubwürdigkeit doch immerhin unfreiwillige Komik hinter sich her. Das zeigt sich besonders in den bierernst angedachten Härten, die sich dank zeitgemäß exploitativem Anstrich schon mal in eine ausgedehnte Massenbedrängung des weiblichen Saloon-Personals verfestigen.

Eine hausgemachte Familienkrise wird auch noch serviert, wenn Jenny dem ollen Clayton steckt, dass aus seiner erzwungenen Begattung vor vielen Jahren der kleine Johnny-Boy hervorging. Im dreisten Vergewaltiger regt sich sogleich der Vaterstolz, der vom fast vergessenen Lewis aber bald zunichte gemacht wird. Er stülpt sich die Priesterrobe des Bruders über, weshalb den Schuldigen auch gleich die Muffe geht, wirft in der Kirche die Nebelmaschine an und begleitet die Verbrecher mit kryptischen Kameraschwenks in die nächste Welt. Wer sich jetzt nicht vor Lachen die Knie blutig schlägt, der braucht den Rest auch nicht mehr zu schauen. Billiger und ziemlich trashig, für „Genießer“ ein Fest.

Wertung: (3 / 10)

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