Sham 69 – Western Culture (2007, Bad Dog Records)

Die Rückkehr eines Urgesteins: SHAM 69 veröffentlichen 32 Jahre nach ihrer Gründung ein neues, ihr zehntes Album. Von der ursprünglichen Besetzung blieb nur Gitarrist Dave Parsons übrig. Selbst Frontmann Jimmy Pursey, mit dem Parsons die Band nach siebenjähriger Pause 1987 neu formierte, wurde wegen anhaltender Querelen endgültig ersetzt. Nach diesem Bruch zog sich die Produktion der aktuellen Scheibe „Western Culture“ in die Länge. Die Entschädigung für die Wartezeit erfolgt durch die Gewissheit, dass dieser klassische Vertreter des UK-Punks auch in der Gegenwart noch ohne Schnörkel und Kniefall zu überzeugen versteht.

Pursey-Ersatz Tim V macht seine Sache außerordentlich gut, wobei er zugegebenermaßen auch nicht sonderlich gefordert wird. „Western Culture“ wird den Höhen und Tiefen aus drei Jahrzehnten Musikgeschichte durchweg gerecht und wirkt zwischen all dem neumodischen Schnickschnack wie ein unverwüstlicher Fels in der Brandung schnelllebiger Szenetrends. Dass auch SHAM 69 Top Ten-Platzierungen vorweisen können, ist bekannt, nach heutiger Maßgabe aber kaum mehr vorstellbar. Die Zeit hat sich rapide gewandelt, die musikalische Vorgehensweise der Band nicht. Wenn nicht das, was spricht dann für die Qualität der alternden Herren?

Das Dutzend Songs bedient die Wurzeln von SHAM 69. Das bedeutet noch immer stadionkompatible Hymnen, ein mehr rockiger als punkiger Grundstock und eine Produktion, die sich in ihrer Zurückhaltung als zeitlos erweist. Diese Platte hätten die Jungs, in welcher Besetzung auch immer, vor zehn Jahren in eben dieser Weise abliefern können. So kann sich mittlerweile auch die nächste Generation an den Schlachtrufen der Vergangenheit erfreuen, ausgestoßen von denen, die sie einst selbst initiierten. Nicht müde und nicht leise reißt der englische Vierer noch immer mit. Und so lange die Leidenschaft nicht erlischt, dürfen sie auch ruhig noch ein paar Dekaden dran hängen.

Wertung: (7 / 10)

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