David Brent: Life On the Road (GB/USA 2016)

Der „Boss From Hell“ ist zurück. Mehr als 15 Jahre sind vergangen, seit die finale Folge des Golden-Globe-prämierten BritCom-Klassikers „The Office“ über die Bildschirme flimmerte. Seitdem hat sich viel getan. Das Mockumentary-Format wurde in verschiedenen Ländern adaptiert, u. a. den USA, Frankreich und Deutschland („Stromberg“), während Serienerfinder und Hauptdarsteller Ricky Gervais („Derek“) zum Star wurde. Grund genug, jene liebenswert taktlose TV-Ikone David Brent eine späte Rückkehr zu verschaffen. Diesmal auf der großen Leinwand, diesmal als Sololauf. Doch gerade daran krankt der Spielfilmableger „Life On the Road“.

Denn wo früher ein perfekt aufeinander abgestimmtes Ensemble für galligen Humor mit hohem Fremdschämfaktor sorgte, ist heute nur Gervais – als Hauptdarsteller, Regisseur, Autor und Produzent. Dieser Extraportion Selbstinszenierung hätte ein wenig Relativierung durchaus gut getan. Im Mittelpunkt des Alleinauftritts steht das, was Brent immer antrieb: die Liebe zur Musik. Den Traum von der großen Karriere als Rockstar hat der Vertriebsmitarbeiter – mittlerweile für Badezimmerbedarfsartikel – nie aufgegeben. Eine kleine Tour soll den letzten, irgendwie verzweifelten Versuch markieren, doch noch den späten Durchbruch zu schaffen. Gemessen an der Diskrepanz zwischen großem Ego und überschaubarem Talent – belegt durch absurd schreckliche Songs wie „Native American“ oder „Please Don’t Make Fun of the Disableds“ – ist das Suhlen in diversen Fettnäpfchen vorprogrammiert.

Dabei wird jedoch früh erkennbar, dass Gervais seine Figur nicht allein dem Spott preisgeben will, sondern mehr denn je Räume schafft, sich mit ihr zu solidarisieren – oder besser, ein gewisses Mitgefühl aufzubringen. Wiederum begleitet von einem Kamerateam, verprasst Brent für die angestrebte Erfüllung des großen Traums seine Ersparnisse. Er engagiert Musiker, die ihn meiden, um seine Band Foregone Conclusion zu reanimieren, und chartert einen großen Bus, um in Berkshire, nahe dem eigenen Wohnort, Konzerte zu spielen. Dass er dazu genötigt wird, dem Straßenkreuzer im eigenen Wagen hinterherzufahren, mindert nicht den bewundernswerten Optimismus. Selbstreflexion war David Brent schon immer fremd. Neben Nachwuchs-Rapper Dom Johnson (Doc Brown alias Ben Bailey Smith, „Brief Encounters“), den er in rabenväterlicher Manier bevormundet, zählt auch der mit horrender Gage geköderte Tontechniker Dan (Tom Basden, „Plebs“) zum Ensemble.

Doch für Brent wird der Trip zum Desaster: Das Publikum bleibt fern, die Band leistet ihm nach den Shows nur gegen Bezahlung Gesellschaft und statt ihm erhält Dom die verdiente Anerkennung. Bis zur Einsicht, dass die Zuneigung von Kollegin Pauline (Jo Hartley) auch ihren Wert hat, ist es ein weiter Weg. Dass Gervais dabei humoristisch überraschend häufig danebengreift, liegt vorrangig an den wenig sympathischen, meist ins Extrem driftenden Nebenfiguren. Das versöhnliche Finale, bei der Brent dann doch irgendwie einen Hauch von Respekt erfährt, erscheint jedoch mehr konstruiert denn glaubwürdig hergeleitet. Sicher hat der Mix aus Typenkomik, Fake-Dokumentation und Musikfilm seine Momente. Im Gegensatz zu „The Office“ bleiben diese jedoch verblüffend rar gesät.

Wertung: (5,5 / 10)

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