This is Spinal Tap (USA 1984)

this-is-spinal-tapStellt die Verstärker auf 11 – denn hier kommen Spinal Tap! Rob Reiners („Harry und Sally“) brillante Rock-Farce ist Kult, daran gibt es nichts, aber auch rein gar nichts zu rütteln. Der große Erfolg kam, wie so oft, aber nicht im Jahr der Veröffentlichung (hier 1984), sondern sickerte mitsamt Klassikerstatus erst nach der Zweitverwertung im Heimkinobereich durch. Seitdem ergötzen sich Musikfans rund um den Globus immer wieder und wieder an diesem schreiend komischen Portrait einer britischen Metal-Band (von drei Amerikanern 1978 ursprünglich für einen Comedy-Event gegründet) auf dem absteigenden Ast.

Nach 17 Jahren und 15 Alben bereisen die Musiker – die zentralen Figuren sind Sänger David St. Hubbins (Michael McKean, „Airheads“), Gitarrist Nigel Tufnel (Christopher Guest, „Therapie zwecklos“) und Bassist Derek Smalls („Simpsons“-Synchronsprecher Harry Shearer) – Amerika. Begleitet werden sie von Werbe- und Dokufilmer Marty DiBergi (Debütant Reiner), vor dessen Kamera sich jedes Rock-Klischee bestätigt und der Zersetzungsprozess der einst gefeierten Band deutliche Spuren hinterlässt. Zumindest bei den fiktiven Musikern.

Früher spielten sie in großen Hallen und Arenen vor zehntausenden. Die Gegenwart sieht für Spinal Tap, die bis 2002 tatsächlich drei Alben produzierten und noch immer auf ausgesuchten Festivals auftreten, jedoch alles andere als rosig aus. Gleich reihenweise werden Konzerte abgesagt und die neue Platte „Smell the Glove“ (immerhin Nachfolger von „Shark Sandwich“!) wird vom Label aufgrund des sexistischen Covermotivs zunächst abgelehnt. Im Abwärtstrend, Versuche der Neuerfindung münden ins Fiasko, nehmen auch die internen Spannungen zu, woran Davids Frau Jeanine (June Chadwick, „Jumpin’ Jack Flash“) maßgeblichen Anteil nimmt.

In Interviews und Rückblenden nimmt die Mockumentary, pardon Rockumentary die jüngere Musikgeschichte aufs Korn. Der Blick schweift zurück, auf die Anfänge als Beatles-Kopie, die Zwischenphase im Hippie-Pop und den skurrilen Verschleiß an Schlagzeugern. In der Selbstzerfleischung setzt es Seitenhiebe auf Led Zeppelin, The Who oder Black Sabbath. Mit Gastauftritten von u.a. Billy Crystal („City Slickers“) und Patrick Macnee („Mit Schirm, Charme und Melone“) rechnet „This is Spinal Tap“ mit den Marotten von Stars und Business ab. Musik ist eben ein Zirkus – und Spinal Tap sind seine satirischen Dressurpferde!

Wertung: 8.5 out of 10 stars (8,5 / 10)

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