Casshern (J 2004)

casshern„Weil sie verletzt wurden, verletzen sie. Weil sie getötet wurden, töten sie. Es ist eine ständige Wiederholung derselben Sache.“

Mit Filmen wie „Avalon“ (2001) und „Immortal“ (2004) brach ein neues Zeitalter des Kinos an, das gänzlich digital erstellter Welten in Kombination mit echten Schauspielern. Auch Kazuaki Kiriyas „Casshern“, Realfilmadaption des 70er-Jahre Mangas „Shinzo Ningen Casshân“, bedient sich dieser Technik und entführt den Zuschauer, wie schon „Sky Captain and the World of Tomorrow“ (2004) in eine Welt des Retro-Futurismus. Kiriya verließ sich bei seinem Debüt als Regisseur ganz auf sich. Er schrieb das Drehbuch, führte die Kamera und besorgte den Schnitt. Seine Vision ist eine düstere Utopie, ein bildgewaltiger Abgesang auf Kriegstreiberei und Machtexpansion.

Nach Ende des Dritten Weltkriegs ist Europa in Rauch aufgegangen, weite Teile Eurasiens durch chemische Kampfstoffe verseucht. Doch die Gefechte gehen unvermittelt weiter. In dieser schweren Zeit forscht Dr. Azuma (Akira Terao, „Into the Sun“) nach einer Methode genetischer Regeneration. Um seine Entdeckungen Realisieren zu können, geht er einen folgenschweren Pakt mit dem Militär ein. Versehentlich schaffen seine Experimente die „Neo Sapiens“, eine Gruppe Mutanten, die die Menschheit vernichten will. Die letzte Hoffnung ist Azumas an der Front gefallener Sohn Tetsuya (Yusuke Iseya, „Dead End Run“), der nach seiner Wiederbelebung als mysteriöser Streiter Casshern erbitterten Widerstand leistet.

Rasende Bildwechsel und -montagen und das grelle Spiel der Farben bestimmen die Optik dieses faszinierenden Science-Fiction-Spektakels. Die Geschichte ist im Kern simpel, ergeht sich aber in einer komplexen Aufarbeitung der einzelnen Handlungsstränge. Traditionelle Elemente des japanischen Kinos – Trauer, Wut und Rachegelüste – finden sich auch hier wieder. Dabei umreißt Kazuaki Kiriya die Vielzahl der Charaktere nur grob, nicht weiter als notwendig. Mehr Wert legt er auf möglichst spektakuläre Bildkompositionen, die, getragen von künstlichem Bombast, atemberaubende Kulissen und Szenarien generieren. Die mächtig dick aufgetragenen Actionsequenzen sind meist nur von kurzer Dauer, in ihrem Hang zu bizarrer Destruktion aber so sehenswert wie ungewöhnlich.

„Casshern“ ist ein Stakkato optischer Reize. Sich diesem filmischen Experiment ausliefern zu können, erfordert Standvermögen. Visuell gewöhnungsbedürftig, ist die Botschaft des betörenden Fantasy-Epos klar umrissen. Kritik an Totalitarismus und menschlicher Zerstörungsneigung ist allgegenwärtig, die Symbolik der „Neo Sapiens“ gar offenkundig angelehnt an die des Nationalsozialismus. Zwar klaffen abseits von Gewalt und Tod viele Handlungslöcher, um deren Schließung ist das Skript im Grunde aber kaum bemüht. Es ist nicht außergewöhnlich, sich in den oft undurchsichtigen Weiten japanischer Comicrealitäten zu verlieren. „Casshern“ bildet da keine Ausnahme. Die Innovation ist die Umsetzung, der Hintergrund das alte Haus mit neuen Fenstern. Aber durch diese zu blicken ist nicht weniger als ein rauschendes Fest.

Wertung: (7 / 10)

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