Dredd (USA/GB/IND/ZA 2012)

dreddDie einzige regulierende Kraft in Mega City One sind die Judges. Die futuristischen Krieger mit ihren schwarzen Rüstungen und High-Tech-Waffen sind Richter und Henker zugleich. Schwerverbrecher werden von ihnen nach Feststellung der Schuld an Ort und Stelle getötet. Nur auf legalem Wege scheint in der von hohen Mauern umgebenen Metropole, die nach einem verheerenden Krieg auf den Trümmern der amerikanischen Ostküste errichtet wurde, kaum jemand sein Leben bestreiten zu können. Die 800 Millionen-Stadt ist ein Moloch aus Drogen und Gewalt, ein Heizkessel an der Schwelle zur Explosion.

Erdacht haben diese Welt John Wagner und Carlos Ezquerra. Ihr populärer Comic wurde bereits 1995 mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle verfilmt – und stieß durch seine trashige Machart auf insgesamt wenig Gegenliebe. Alex Garland, Roman- („The Beach“) und Drehbuchautor („28 Days Later“) war also gewarnt, als er sich an eine neuerliche Kinoversion des Stoffes wagte. Tatsächlich wird „Dredd“ dem düsteren Ton der Vorlage deutlich gerechter als der erste Film. Das liegt auch an der Regie Pete Travis („8 Blickwinkel“), der sich visuell einfallsreich und in ästhetischer Anlehnung an klassische Animes an einem simplen Action-Plot abarbeitet.

Der erinnert stark an das indonesische Genre-Gewitter „The Raid“, auch wenn Garland vehement betonte, sein Skript unabhängig vom zuvor abgedrehten Kino-Kracher konzipiert zu haben. So beruft sich die Handlung hüben wie drüben auf ein von Gangs und Verbrechern bewohntes Hochhaus, in dem sich die polizeilichen Widerparts – hier der unerschrockene Judge Dredd (Karl Urban, „Doom“) und Novizin/Gedankenleserin Cassandra (Olivia Thirlby, „Darkest Hour“) – Stockwerk um Stockwerk durch Heerscharen bewaffneter Gegner kämpfen müssen. Die werden angefacht von der brutalen Patin Ma-Ma (Lena Headey, „Game of Thrones“), die Mega City One mit einer Droge überschwemmt, die das Leben scheinbar auf Superzeitlupe verlangsamt.

Das genügt für optische Extravaganzen und schnörkellos brutale Schusswechsel, bei dem faustgroße Einschusslöcher und in verlangsamter Bildfolge berstende Körper gern genommene Stilmittel sind. Zwingend packend ist das nicht, da die Figuren um den behelmten, hölzern die Mundwinkel nach unten biegenden Urban insgesamt blass bleiben. Zwischen den Bleigewittern wird überdies zu viel Zeit mit nichtigen Dialogen verschwendet. Vor allem dahingehend hatte „The Raid“ deutlich mehr brutalen Budenzauber zu bieten. Zu hart sollte mit „Dredd“ aber nicht ins Gericht gegangen werden, denn was hier in weniger als 90 Minuten zerlegt und zerschossen wird, ist schon aller Trivial-Ehren wert.

Wertung: (6,5 / 10)

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