Hellbound: Hellraiser II (GB 1988)

hellbound-hellraiser-2Dem Vorurteil, Fortsetzungen seien stets schwächer als ihr Original, widerstrebt „Hellbound: Hellraiser II“. Nur ein Jahr nach Clive Barkers grimmiger Dämonenbeschwörung legte Tony Randel („Ticks“) nach. Schriftsteller Barker, der sich mit seinem Langfilmdebüt selbst adaptiert hatte, wechselte hinter die Kamera, produzierte, und überließ das Ersinnen des Drehbuchs Peter Atkins („Wishmaster“), der der Saga auch die kommenden zwei Sequels die Treue hielt. Erfreulich ist die Konsequenz, mit der die Macher den Fortsetzungsgedanken vorantreiben und den ersten Part in Sachen Blut, Ekeleffekten und Monsterschau locker überbieten.

Darunter leidet die Plausibilität der Geschichte, die nur Stunden nach dem Ende des ersten Teils angesiedelt ist. Kirsty (Ashley Laurence, „Mikey“) wurde in die Psycho-Klinik von Dr. Channard (Kenneth Cranham, „Gangster No. 1“) eingewiesen, der seinerseits selbst mit dem okkulten liebäugelt und diverse Variationen der hölzernen Puzzlebox sein Eigen nennt, mit deren Hilfe sich die Pforten der Hölle öffnen lassen. In seinem Haus findet sich auch die blutbesudelte Matratze, auf der Kirstys böse Stiefmutter Julia (Clare Higgins, „B. Monkey“) starb. Mit Hilfe eines seiner Patienten, der sich selbst mit einem Rasiermesser traktiert und dabei reichlich Lebenssaft verliert, holt Channing sie ins Leben zurück.

Ein stabiler Magen empfiehlt sich frühzeitig, wenn die noch ohne Haut belassene Julia über die Bodendielen rutscht und ihrem Retter einen buchstäblich feuchten Kuss aufdrückt. Der wahnsinnige Irrenarzt plant mit ihrer Hilfe die Hölle zu ergründen, wofür er mit der heuer sprachlosen Tiffany (Imogen Boorman, „Dreamchild“), deren Steckenpferd das Puzzlen ist, einen weiteren seiner zu behandelnden Schützlinge zwangsverpflichtet. Mit von der Partie ist auch Kirsty, die vom Glauben getrieben wird, ihren Vater aus den Tiefen der Dämonenwelt erretten zu müssen.

Statt über die kleinbürgerliche Alltäglichkeit bricht die Hölle nun über Haus und Wirkungsstätte des Doktors hinein, was bald auch Pinhead (Doug Bradley) und die Cenobiten auf den Plan ruft. Während die sich mit dem selbst in eine Kreatur des Bösen verwandelten Channing balgen, suchen Kirsty und Tiffany nach einem Ausweg aus dem finstren Höllen-Labyrinth, das über schlichte Kellerkulissen und Matte Paintings visuellen Eindruck zu schinden versucht. Das optische Herzstück aber bleiben die Masken, die in zweiter Instanz noch surrealer und damit noch erschreckender wirken.

Mit Erläuterungen halten sich Atkins und Randel bedeckt. Statt einer schlüssigen Erzählung setzen sie auf die Faszination des Unbekannten, wobei Pinhead-Darsteller Bradley kurzzeitig sein wahres Gesicht zeigen darf. Die Andeutung des Menschen hinter dem Dämon sollte Atkins im folgenden Part endgültig ausbauen, wobei er nie die abgründige sadomasochistische Nachtschwärze erreicht, die die ersten beiden Kapitel der „Hellraiser“-Saga auszeichnet. Auch „Hellbound“ mag nicht vollends die Klasse des Vorläufers erreichen, verdammt nah dran ist der ideenreiche Splatterfilm aber allemal.

Wertung: (7 / 10)

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