Hellraiser – Das Tor zur Hölle (GB 1987)

hellraiserFrank (Sean Chapman, „7 Days to Live“) will Lust verspüren. Grenzenlose Lust. Die mysteriöse hölzerne Puzzlebox, die er in fernen Landen erstand, soll sie ihm bescheren. Auf welchem Wege auch immer. Als er mit dem ornamentierten Kästchen zu spielen beginnt, durchflutet gleißendes Licht die Spalten zwischen den Dielen und Balken seines Dachbodens. Mit Haken versehene Ketten erscheinen aus dem Nichts, bohren sich in sein Fleisch – und zerreißen ihn. Die Box öffnet das Tor zur Hölle und beschwört die Cenobiten, grausame Dämonen von grotesker Erscheinung, deren Existenz auf die Bereitung von Schmerzen ausgerichtet ist.

Mit „Hellraiser“ schuf Clive Barker einen Klassiker des modernen Horrorfilms. Der britische Autor, dessen Regiedebüt der Adaption eines eigenen Werkes entspricht, rang dem vom ermüdenden Muster des Teen-Slashers ausgezehrten Genre neue Perspektiven ab. Ohne jeden Humor breitet er ein heftiges Erwachsenenmärchen vor dem Zuschauer aus, das mit kleinen Mitteln und geringem Budget große Wirkung erzielt. Die Essenz des Schreckens, jene Cenobiten, setzt er mit Bedacht ein und konzentriert sich auf eine dramatisch aufgeladene Familiengeschichte, bei der die Leichen nicht im Keller, sondern unter den Bodendielen des Obergeschosses verborgen liegen.

Nach einiger Zeit bezieht Larry (Andrew Robinson, „Chucky 3“), der Bruder des Toten, mit Frau Julia (Clare Higgins, „Vaterland“) das verwaiste Domizil. Die Überbleibsel von Franks Besitz, Fotos seiner erotischen Eskapaden, wecken in Julia, die sich schon früher zu ihm hingezogen fühlte, unbändiges Verlangen. Denn er, der Verruchte, der Unabhängige, ist so ganz das Gegenteil des piefigen Larry. Als der sich während des Einzugs die Hand verletzt und Blut auf dem Dachboden verteilt, werden die Reste von Franks Körperlichkeit dem Schoß der Hölle entrissen.

Um wieder ganz Mensch sein zu können, benötigt er frisches Fleisch, wofür Julia wiederholt Männer aufreißt und auf dem Speicher den Hammer schwingt. Und wäre da nicht Kirsty (Ashley Laurence, „Warlock III“), Larrys Tochter, die böse Stiefmutter würde mit ihren Plänen wohl durchkommen. Doch auf der Zielgeraden fällt ihr der Würfel in die Hände und sie ruft damit Pinhead (Doug Bradley), den mit Nägeln gespickten Dämon und seine Cenobiten herbei. Und die haben mit Frank noch ein Hühnchen, oder besser den ein oder anderen Fleischbrocken zu rupfen. Die Effekte überzeugen – im Gegensatz zu den Masken – nicht immer, was angesichts der nihilistischen Gemütslage und der Direktheit der Bilder keine Abstriche bewirkt. Denn „Hellraiser“ ist so originell wie schonungslos – und deshalb Kult.

Wertung: (8 / 10)

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