Blue Valentine (USA 2010)

blue-valentineDas Ende einer Liebe. Wie lange Dean (Ryan Gosling, „Half Nelson“) und Cindy (Oscar-nominiert: Michelle Williams, „Brokeback Mountain“) verheiratet sind, bleibt vage. Kennengelernt haben sie sich irgendwann während der Präsidentschaft George W. Bushs. Als Möbelpacker traf er sie während der Arbeit. Als er die Habe eines alten Mannes im Seniorenheim auspackte, besuchte sie im Zimmer gegenüber die demente Großmutter. Den ersten Flirtversuch ignoriert sie. Aber Dean lässt nicht locker. Mit Erfolg. Als Cindy schwanger wird, gründen die beiden eine Familie.

Unter einem guten Stern steht die Beziehung nicht. Beide kommen aus zerrütteten Familienverhältnissen und ob das Kind überhaupt von Dean ist, kann Cindy nicht einmal sicher sagen. Aber er liebt sie. Und sie ihn auch. Also heiraten die beiden, deren gemeinsame Vergangenheit in Rückblenden skizziert wird. Die Gegenwart sieht deutlich trüber aus. Das Paar lebt aneinander vorbei, scheint allein Tochter Frankie (Faith Wladyka) wegen noch zusammen. Er verdingt sich als Maler und beginnt den Tag meist mit Alkohol. Sie arbeitet als Arzthelferin. Eigentlich wollte sie Medizin studieren. Mit der Geburt des Kindes wurde der Traum aber begraben.

Die Entfremdung zeigt Regisseur und Co-Autor Derek Cianfrance in zehrender Unmittelbarkeit. Dass er hauptsächlich als Dokumentarfilmer arbeitet, bleibt seinem ersten abendfüllenden Spielfilm deutlich anzumerken. „Blue Valentine“ scheint direkt aus dem Leben gegriffen und verwechselt Emotionalität nie mit Dramatisierung. Die Glaubwürdigkeit garantieren die so natürlichen wie aufwühlenden Schauspielleistungen. Williams und Gosling agieren schmerzhaft intensiv. Zum bitteren Höhepunkt gerät der Abend im schäbig futuristischen Themenhotelzimmer, bei dem Dean und Cindy zwischen Dauerstreit und Vollrausch mal wieder intim werden wollen.

Der Versuch, die vertraute Nähe und Zuneigung von einst zurückzubringen, scheitert an Cindys abweisender Distanziertheit. Was folgt sind Eskalation und Bruch. Der Bitterkeit gegenüber stehen harmonische Momente. Aber die sind längst vergangen. Wenn man Cianfrance bei der Ausgestaltung seines hervorragenden Dramas eines ankreiden kann, dann ist es die quasi-metaphorische Markierung von Deans äußerlicher Veränderung. Das Haar ist lichter, die Kleidung verlotterter. Doch ist der stets nüchterne und formal reduzierte Blick auf die wachsende Kluft zwischen den beiden schlicht zu großartig geraten, als dass solch marginale Makel die Wirkung dieses konsequent unprätentiösen Meisterwerks schmälern könnten.

Wertung: (9 / 10)

 

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