Brokeback Mountain (USA/CDN 2005)

brokeback-mountainMachen wir’s wie Cowboys: In „Brokeback Mountain“ zeichnet Meisterregisseur Ang Lee („Der Eissturm“) ein tragisches Sittenbild. Das grandiose Melodram spielt dort, wo Amerikas Natur grenzenlos und die Freiheit der Menschen eingeschränkt ist. Ein Gegensatz, der vor Bitterkeit geradezu trieft. Das ´Land of the Free´ gestattet seinen Bürgern nur so lange das Recht auf Selbstverwirklichung, wie es den Vorgaben einer perfiden Gottesfurcht dient. Homosexualität ist ein Tabu. Gerade dort, wo Männer noch echte Kerle sind. Und sei es nur, um etablierten Western-Klischees zu entsprechen. In der rauen Natur, wo das Tagewerk hart und die Nacht kalt ist.

Im Sommer 1963 lernen sich Ennis (Heath Ledger, „Casanova“) und Jack (Jake Gyllenhaal, „Jarhead“) kennen. Gemeinsam treiben sie eine Schafherde in die Berge und hüten sie. Dort, in der Abgeschiedenheit einer prächtigen Naturkulisse, vor der die Männer mit den Cowboyhüten wirken wie Motive von Edward Hopper, freunden sich die beiden erst an und kommen sich schließlich näher. Das geschieht mehr aus dem Moment heraus, als dass Lee über romantische Andeutungen auf diesen Augenblick zusteuern würde. Bald die Hälfte seines Films investiert der Regisseur in diese Bindung. Denn sie ist Ausgangspunkt für den weiteren Verlauf.

Über 25 Jahre beobachtet der taiwanesische Filmemacher die Liebesgeschichte zwischen den Männern. In Auszügen taucht er in ihr Leben ein, während Jahreszahlen am Rande durch Plakate, dialogische Beiläufigkeiten oder TV-Sendungen angeführt werden. Die Zeit verfliegt und ebenso die Chance der Liebenden, miteinander glücklich zu werden. Es bleibt beim Doppelleben und als Angel- oder Jagdausflug getarnten Treffen in der Einsamkeit. Über ihnen liegt die Angst, davor entdeckt und entblößt, sozial geächtet, schlimmstenfalls umgebracht zu werden. So wie Ennis’ Vater ihm in der Kindheit die Leiche eines grausam gelynchten Homosexuellen zeigte.

Um den bürgerlichen Schein zu wahren, heiraten beide. Ennis seine Jugendliebe Alma (Michelle Williams, „Land of Plenty“), Jack die aus wohlhabendem Hause stammende Lureen (Anne Hathaway, „Der Teufel trägt Prada“). Ihr Innerstes jedoch verleugnen sie. Mit der Aussicht unerfüllter Liebe welken die Figuren, was von den Darstellern herausragend transportiert wird. Jugendliche Frische weicht Falten, Furchen unter den Augen, einem Bauchansatz. Das emotionale Versteckspiel mergelt sie aus. Das stumme Gelöbnis ewiger Liebe vollzieht sich erst am Grabe des einen. Das mit drei Oscars prämierte Melodram bleibt ein nüchternes Zeugnis sozialer Ausgrenzung. Und geht gerade aufgrund seiner Andeutung nahe. Ein schlichtweg brillantes Werk.

Wertung: (9 / 10)

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