Babys (F 2010)

babysMit großen Augen die Welt entdecken: „Babys“ ist eine Dokumentation über Kleinkinder, dabei jedoch kein Verhaltensratgeber für werdende Eltern. Vielmehr will Regisseur Thomas Balmes („A Decent Factory“) zeigen, dass der erste Lebensabschnitt über kulturelle Unterschiede hinweg gar nicht so grundverschieden verläuft. Einen Kinofilm hätte es für diese Erkenntnis zwar nicht gebraucht, die Machart, die Güte der Bilder und vor allem der Niedlichkeitsfaktor der vorgestellten Racker lassen die rund 75 wortkargen Minuten aber wie im Fluge vergehen.

Erste Station ist Namibia, wo Ponijao in einem kleinen Dorf aus Lehmhütten geboren wird. Ihr folgen Mari in Tokyo, Bayar in der mongolischen Steppe und Hattie in San Francisco. Sie sind die Hauptprotagonisten, die ohne den Schutz der Eltern nicht überleben könnten und sie in der filmischen Betrachtung dennoch vollends ins Abseits drängen. Mütter und Väter spielen in der Interaktion mit den Kindern selbstverständlich eine Rolle. Jedoch sind ihre Gespräche weder untertitelt noch von inhaltlicher Bedeutung.

Die vertiefte Einbindung der Erwachsenen und damit des jeweiligen sozialen und kulturellen Umfelds hätte die Intention untergraben. So aber stehen die ausschnitthaften Bilder kommentarlos für sich und zeigen trotz verschiedener Lebensräume vor allem die Gemeinsamkeiten. Der Umgang mit Tieren zum Beispiel, der für Nomadensohn Bayar den Hahn an der Schlafstätte und die Ziegen vor dem Zelt bedeutet. Ebenso Bewegungsspiele, die Behandlung durch ältere Geschwister oder die Beschäftigung mit sich selbst.

Die wunderbar gefilmten Fragmente der jungen Leben stellen über den groben Zeitraum des ersten Lebensjahres wichtige Etappen nebeneinander. Da sind die mühevollen Versuche selbständiger Schritte, die unbändige Neugier, mit der die Welt ohne Scheu erkundet wird und nicht zuletzt die ersten Worte. All diese kleinen großen Momente bettet Balmes in betörende Aufnahmen von Steppe, Großstadt und Wüste. Der Erkenntnisgewinn mag dabei nicht sonderlich üppig sein. Groß genug hingegen ist der Anteil unbeschwerter Kurzweil. Und das sogar kulturkreisübergreifend!

Wertung: (6 / 10)

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