Cowspiracy – Das Geheimnis der Nachhaltigkeit (USA 2014)

cowspiracy-das-geheimnis-der-nachhaltigkeitEines der größten Probleme der Gegenwart ist die industrielle Massentierhaltung. Die ständig wachsende Weltbevölkerung und steigender Wohlstand in boomenden Wirtschaftsnationen wie China sorgen für einen immer höheren globalen Bedarf an Fleisch- und Milcherzeugnissen. Um diesen zu decken, werden gewaltige Weide- und Ackerflächen benötigt. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind verheerend: Regenwälder verschwinden, um Platz für Nutzland zu schaffen, der Wasserverbrauch steigt rapide an und um die Tiere, meist sind es Rinder, zu versorgen, wird in Monokulturen Futter angebaut. Verlierer dieser kapitalistischen Abwärtsspirale ist – neben dem hungernden Teil der Menschheit – die Umwelt.

Als engagierter Zeitgenosse wollte der in San Francisco lebende Kip Andersen seinen Beitrag zur Weltverbesserung leisten. Beeindruckt von Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“ begann er zunächst, Müll zu trennen, Strom zu sparen und mit dem Rad zu fahren. Alles im Dienste der Verlangsamung des Klimawandels. Denn wie es in den Medien heißt, hängt die globale Erwärmung vorrangig mit dem Ausstoß von Treibhausgasen durch Industrie und Verkehr zusammen. Doch dann stößt er auf einen Artikel, der als größten Klimakiller die Darmgase von Rindern anführt. Mit der Neugier auf die wahren Hintergründe wächst die Skepsis an bestehenden Theorien. Also fragt er nach. Das Ergebnis ist der in Zusammenarbeit mit Keegan Kuhn („Turlock: The Documentary“) entstandene Dokumentarfilm „Cowspiracy – Das Geheimnis der Nachhaltigkeit“.

Die Herangehensweise ist sehr amerikanisch. So plakativ wie wirksam werden Statistiken comichaft aufbereitet, um das Ausmaß des Zusammenhangs zwischen Umweltzerstörung/Klimawandel und Nutztierhaltung aufzuzeigen. Im Stile eines Michael Moore macht sich Andersen auf die Socken und rüttelt an verschiedenen Käfigen. Zunächst sind es die großen Umweltverbände, die Verkehr und Industrie mit Emissionsreduzierungen belegen wollen, um die globale Erwärmung aufzuhalten. Die weitreichenden Folgen der Viehhaltung sind bei ihnen kein Thema. Also bohrt er mit seiner Kamera nach, stößt jedoch auf Unverständnis oder wird – wie im Falle von Greenpeace – mehrfach abgewiesen.

Wissenschaftler und Experten stützen die von ihm dargelegte Theorie. Die Politik indes schweigt sich aus. Das führt zu Spekulationen über die Macht der Fleischindustrie, die durch das plötzliche Ausscheiden eines Finanziers und Andersens zunehmende Sorge um seine Sicherheit dramaturgisch unnötig aufgebauscht wird. Der Einfluss großindustrieller Lobby-Gruppen auf Staatsgefüge und deren Entscheidungsfindung ist unbestritten. Nur bleibt die Gegenseite hier ein gesichtsloses Phantom mit unspezifiziertem Gefahrpotenzial. Das kurz erläuterte Schicksal der Nonne und Umweltaktivistin Dorothy Stang, die 2005 im Auftrag brasilianischer Viehbarone ermordet wurde, ändert daran wenig.

Für Andersen aber ist das Grund genug, abzuschweifen. Erst ist es die globale Überfischung samt Verschmutzung der Meere, dann werden verschiedene Szenarien der Selbstversorgung gezeigt. Wie sehr ihm diese jedoch zuwider sind, zeigt sich in der instrumentalisiert veranschaulichten Enthauptung einer Ente. So bleibt als schlussendliche Lösung nur die schier euphorische Propagierung eines veganen Lebensstils. Bedauerlicherweise trübt gerade diese polemische Schwarz-Weiß-Malerei den Gesamteindruck von „Cowspiracy“ und mindert den aufrüttelnden Charakter durch eine quasi-esoterische Weltverbesserermentalität. Sehenswert ist der Film ungeachtet seiner Makel definitiv. Bleibt nur zu hoffen, dass das Wissen um die Öko-Bilanz eines Steaks zumindest in ein paar betrachtenden Köpfen zum Umdenken führt.

Wertung: (7 / 10)

 

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