Five Minutes of Heaven (GB 2009)

five-minutes-of-heavenWahrheit und Aussöhnung als medial inszeniertes Begräbnis alter Feindschaft: In „Five Minutes of Heaven“ soll die von Fernsehkameras begleitete Begegnung zwischen Mörder und Hinterbliebenem Wunden schließen. Doch die sitzen tief. Viel zu tief, als dass Vergebung überhaupt möglich wäre. Aber um die geht es Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) in seinem packenden Charakter-Drama auch gar nicht. Eher um die Überwindung der Vergangenheit zum eigenen Wohl.

Das Leben von Joe Griffin (intensiv: James Nesbitt, „Blody Sunday“) ist von Hass geprägt. 1975, während des nordirischen Bürgerkrieges, musste er mit ansehen, wie sein älterer Bruder mit mehreren Kopfschüssen im heimischen Wohnzimmer hingerichtet wurde. 33 Jahre später soll er mit dem Täter zusammenkommen. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe ist Alistair Little (stark: Liam Neeson, „Michael Collins“) zu einem populären Boten des Friedens avanciert. Als Teenager trat er der radikalen protestantischen Ulster Volunteer Force bei und wähnte das Recht im ideologischen Wahn auf seiner Seite.

Um zu verstehen, wer er wurde, so sagt Alistair selbst, muss man verstehen, wer er war. Aber Joe will nicht verstehen. Er will Rache für den Tod des Bruders und die Zerrüttung seiner Familie. Die Anerkennung des Mörders empfindet er als Hohn. Doch der geläuterte Terrorist will weder Anteilnahme noch Vergebung. Beide wissen, dass die Konfrontation sie verändern wird. Allerdings findet diese nicht vor den Augen der Öffentlichkeit statt, sondern in Joes Heimatstadt Lurgan, im verfallenen Haus seiner Kindheit.

Hirschbiegel, der wie Drehbuchautor Guy Hibbert („Blood and Oil“) beim Sundance Film Festival prämiert wurde, fasst erfreulicherweise auch abseits von Hollywoods Einerlei international Fuß. Das wuchtige Psychogramm bringt er mit inszenatorischer Zurückhaltung auf den Weg. Über den dokumentarischen Blick in die Vergangenheit und die Gegenüberstellung der Protagonisten in der Gegenwart baut er eine zehrende Stimmung auf, die sich erst am Schluss, mit dem finalen Aufeinandertreffen der gebrochenen Männer, entlädt.

Klugerweise wird der Vergeltungsdrang von Familienvater Joe nicht der Simplizität einer konventionellen Gewalt-Gegengewalt-Spirale geopfert. „Five Minutes of Heaven“ erweist sich als vielschichtige Charakterstudie, die das Politische auf die Ebene des Persönlichen trägt. Der Frieden muss nicht mit dem Feind geschlossen werden, sondern allein mit sich selbst. Was am Schluss einfach gestrickt anmutet, ist ein komplexer Diskurs über Schuld und Sühne. Ein kleiner, eindringlich gespielter Film mit großer Wirkung.

Wertung: (7,5 / 10)

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