Azumi 2 – Death or Love (J 2005)

azumi-2„Why the hell is it always like this?“

Mit „Azumi“ (2003) setzte „Versus“-Regisseur Ryuhei Kitamura seinem bisherigen Schaffen die Krone auf. Mit schrillem Bildbombast und ungebremster Kinetik ließ der eigenwillige Filmemacher den populären Comic von Yu Koyama bluttriefende Realität werden. Auf entsprechende Skepsis stieß in Fankreisen die Verpflichtung von Shusuke Kaneko („Gamera – Guardian of the Universe“, „Godzilla – Mothra – King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack”) für die Umsetzung des heiß ersehnten Sequels. Dass „Azumi 2 – Death or Love“ tatsächlich deutlichen Boden hinter dem gefeierten Vorgänger einbüßt, mag die kritischen Vorabstimmen in ihrer Meinung zunächst bestätigen. Dabei außer acht gelassen wird allerdings Kanekos tapferer Kampf gegen das im Grunde belanglose Drehbuch von Yoshiaki Kawajiri, dem Autor und Regisseur von „Ninja Scroll“ und „Vampire Hunter D: Bloodlust“.

Dessen Schaffen im Anime-Bereich bleibt auch bei „Azumi 2“ unverkennbar, erinnern doch allein die kampfstarken Opponenten der jungen Assassine an die Gestaltung der übelsinnigen Kämpfer aus „Ninja Scroll“. Dabei wäre „Death and Love“ der weit treffendere Untertitel für das zweite Leinwandabenteuer der unbezwingbaren Schwertkämpferin, hat innerhalb der actionreichen Geschichte doch keiner der Protagonisten die Wahl zwischen Liebe und Tod. Vielmehr gebiert eines das andere, als Azumi (Aya Ueto, „Papa for one Summer“) und ihr letzter verbliebener Gefährte Nagara (Yuma Ishigaki, „Battle Royale 2“) der ihnen auferlegte Bürde gerecht werden und auch den kriegstreiberischen Herrscher Sanada (Toshiya Nagasawa , „Detective Riko“) töten wollen. Unterstützung erhalten sie dabei vom gutmütigen Wegelagerer Ginkaku (Shun Oguri, „Robot Contest“), in dem Azumi den von ihr getöteten Freund Nachi wiedererkannt haben will.

Ohne den inszenatorischen Wahnwitz eines Ryuhei Kitamura geht „Azumi 2“ schnell die Puste aus. Trotz reichhaltigen Schlachtengetümmels fehlt es dem Film an Rasanz, die oft statischen Bilder lassen die Kampfhandlungen in seichter Monotonie dahinwelken. Auch die Dramaturgie wird nur unzureichend herausgearbeitet. An unterschiedlicher Stelle knospen innige Gefühle, doch ist das emotionale Wechselbad der Figuren weit weniger packend als in Teil eins. Die Entwicklung der Geschichte hätte mancher Länge zum Trotze deutlich mehr Tiefe verdient. Mehr am Rande bedient sich der durchtriebene Sanada der Hilfe eines gefürchteten Ninja-Clans und versucht die Gruppe um Azumi durch die diabolische Kozue (Chiaki Kuriyama, „Kill Bill“) zu spalten. Als die Zahl ihrer Freunde rapide schrumpft, holt Azumi zum Gegenschlag aus.

Die süße Aya Ueto, in ihrer Heimat Japan auch gefeierter Popstar und Werbeikone, ist auch bei ihrem zweiten Auftritt als fragile Amazone ein echter Hingucker. Doch ist auch ihr sensibles Spiel den Wogen eines schwächelnden Skripts ausgeliefert. Dieses lässt Azumi im Schlussdrittel auf den Spuren von „Lady Snowblood“ und deren „Love Song of Vengeance“ wandeln. Zwar wird am Ende der Krieg abgewendet, die Titelheldin jedoch bleibt eines jeden geliebten Menschen beraubt allein zurück. Mit diesem trüben Schlussbild entlässt der Film sein Publikum in einen unbefriedigenden Ausklang. Weniger aufgrund des tragischen Finales, sondern wegen der Vielzahl verpasster Möglichkeiten, einem schillernden Swordsplay-Spektakel eine würdige Fortsetzung zu bescheren. Sehenswert ist „Azumi 2 – Death or Love“ allemal, dem Original gerecht wird er damit allerdings nicht.

Wertung: (6 / 10)

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