Anamorph – Die Kunst zu töten (USA 2007)

anamorph-die-kunst-zu-toetenDie künstlerische Technik der Anamorphose bezeichnet Bilder, die zur Entschlüsselung ihres Inhaltes aus bestimmten Perspektiven oder durch Spiegelungen betrachtet werden müssen. Henry Miller („Late Watch“) hat die kodierte Malerei zum Anlass eines Thrillers genommen, in dem ein Serienkiller seine Opfer als bizarre Kunstwerke ausstellt. Ein traumatisierter Polizist wird durch die Taten an eine Mordserie erinnert, deren Akte seit Jahren geschlossen schien. Die ähnliche Handschrift beider Psychopathen lässt auf einen Trittbrettfahrer schließen. Aber wurde der Mörder von damals wirklich zur Strecke gebracht?

Wie sein Täter ahmt auch der Film nach. Die Vorbilder sind mit „Das Schweigen der Lämmer“ und „Sieben“ so berühmt wie wegweisend, was Millers Version nicht zwingend schlecht macht, immerhin aber gesteigerter Originalität entzieht. Allerdings ist da ja noch die reizvolle Besetzung, die allein mit dem gewohnt spielstarken Willem Dafoe („Der blutige Pfad Gottes“) als Polizeilegende mit Psycho-Knacks zur gehobenen Klasse ausholt. Er spielt Stan Aubray, jenen Ermittler, der an den Schatten seiner beruflichen Vergangenheit zu zerbrechen droht.

Als sein misstrauischer Partner Uffner versucht Scott Speedman („Dark Blue“) schauspielerisch Schritt zu halten, was die Eingeschränktheit seiner Rolle vom Fleck weg verhindert. Anders verhält es sich mit Peter Stormare („Fargo“) als Kunsthändler sowie Clea DuVall („Carnivalé“) als Prostituierte, deren Nebenrollen, mehr noch ihre Bindung zu Protagonist Aubray, jedoch recht vage bleiben. Überhaupt wirkt der mit bedrohlicher Ruhe erzählte Plot so komplex wie seine Hauptfigur. Das wohl größte Versäumnis ist dabei die relative Ziellosigkeit, die gegen Ende entscheidende Fragen unbeantwortet lässt.

In überbelichteten Rückblenden werden Audreys Traumata sichtbar, was die Charakterstudie der zerrütteten Figur vorantreibt und die eigentliche Tätersuche nach hinten drängt. Optisch macht der atmosphärisch ansprechende, wenn auch etwas gedehnte Film einiges her, insbesondere bezogen auf den visuellen Effektreichtum des zweifachen Oscar-Preisträgers Richard Edlund („Star Wars“). Ähnlich der thematisierten Kunstfertigkeit aber benötigt wohl auch „Anamorph“ einen spezifischen Blickpunkt, um all seine Winkelzüge zu offenbaren. Ein sehenswerter, wenn auch nicht vollends ausgereifter Psycho-Thriller.

Wertung: (6 / 10)

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