7 Zwerge – Männer allein im Wald (D 2004)

7-zwerge-maenner-allein-im-waldDie letzten großen Erfolge der deutschen Comedy-Ikone Otto Waalkes liegen ja nun schon etwa ein oder zwei Dekaden zurück, als der ostfriesische Blödelbarde mal so eben schlappe 15 Millionen Besucher ins Kino lockte. Auch wenn seine folgenden Filme kontinuierlich weniger zahlende Gäste zogen, als Erfolg durfte man sie dennoch werten. Aus der Rolle fiel dann nur das 2000er Debakel „Otto – Der Katastrophenfilm“, bei dem der Sympathikus etwas zu ambitioniert zu Werke ging und letztlich auch die verdiente Strafe an der Kinokasse erhielt. Doch im Herbst 2004 ist Otto wieder in aller Munde, sorgt seine Gebrüder Grimm-Variante von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ doch in allen Medien für Aufsehen und eigentlich egal in welche Talkshow man zappt, irgendjemand aus der illustren Darstellerriege von „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ darf immer zu Wort kommen und den Erfinder des Ottifanten huldigen.

Die sieben Zwerge Cloudy, Brumboss, Cookie, Tschakko, Sunny, Speedy und Bubi (u.a. Heinz Hoenig, Martin Schneider, Otto Walkes, Mirco Nontschew) hausen als eine Art Männer-WG im dunklen und verlassenen Wald. Alle haben ihre eigene Vergangenheit, die sich mit dem anderen Geschlecht befasst und alle zu dem Entschluss verleitete, sich vom normalen Leben abzukapseln. Die Selbsthilfegruppe unter der Führung von Brumboss (Hoenig) funktioniert auch ganz prächtig, zumindest bis sich das plötzlich auftauchende Schneewittchen (Cosma Shiva Hagen) im Haus der Zwerge breit macht. Diese befindet sich auf der Flucht vor der Königin (Nina Hagen), die nach zahlreichen Befragungen des Zauberspiegels (Rüdiger Hoffmann) immer noch nicht die Schönste im ganzen Land ist.

Doch so standhaft, wie sich die Zwerge vor der Ankunft des ungebetenen Gastes hinsichtlich des weiblichen Geschlechts gaben, so sehr ändert sich dies bereits nach wenigen Minuten der trauten Zweisamkeit. Das Buhlen um die Schöne beginnt und selbst anfängliche Skeptiker wie Cooky (Markus Majowski) oder Brumboss erliegen bald dem Charme des Neuankömmlings. Die Königin erfährt jedoch rasch, wo sich Schneewittchen befindet und entführt diese schnell mitsamt ihrem Spießgesellen Spliss (Hans-Werner Olm) auf die königliche Burg. Die Zwerge sind nun gefragt und starten eine einmalige Rettungsaktion.

Otto Waalkes ist ohne Frage wieder da. Doch statt den Film als eine Art Alleinunterhaltung zu konzipieren, hält sich die Frohnatur erstaunlich im Hintergrund. Waalkes selbst spielt das, was er am besten kann, nämlich den kleinen, dauergrinsenden und zurückgebliebenen Zwerg Bubi, der ständig von den anderen auf die Zipfelmütze kriegt und im Gesellschaftsgefüge der Zwerge eine eher untergeordnete Rolle spielt. Diese Last wird auf viele Schultern verteilt, was letztlich auch der größte Pluspunkt des Films ist. Allein die Auswahl der unterschiedlichen Charaktere der Zwerge ist 1A, da trifft der laute und sehr auf Gestik ausgerichtete Mirko Nontschew auf Vertreter der jüngeren Comedy-Generation wie Ralf Schmitz und selbst der eigentlich weniger in diesem Metier sich auskennende Heinz Hoenig scheint sichtlich inmitten dieses kurzweiligen Spaßes aufzugehen. Komplettiert wird die Zwergenschar durch den Miesepeter Boris Aljinovic (großartig!), Markus Majowski als vegetarischen Koch sowie Martin Schneider, der sich wie üblich als wahrer „Wortakrobatiker“ entpuppt.

Zwar zünden beileibe nicht alle Witze der Zwerge und stellenweise wirken diese auch etwas altbacken, doch zwischendurch darf man sich auch getrost mal auf die Schenkel klopfen. Was letztlich den Film über den Durchschnitt hebt, ist die Vielzahl an völlig unterschiedlichen Figuren, was sich jedoch nicht nur auf den Zwergenstaat an sich bezieht. In diversen Nebenrollen und Cameos sind weitere namhafte Comedians wie Hans-Werner Olm, Christian Tramitz, Atze Schröder, Tom Gerhard, Rüdiger Hoffmann, Hilmi Sözer, Helge Schneider als grandiose „Gandalf der Weiße“-Anspielung oder gar Harald Schmidt zu sehen. Diese kommen im Minutentakt inmitten liebevoll hergerichteter Kulissen zum Zuge, die dem Film eine völlig eigene Atmosphäre bescheren. Komplettiert wird die Riege um Mama und Tochter Hagen, bei der Mutter Nina aufgedreht wie üblich zu sehen ist, während Tochter Cosma Shiva als überaus angenehmer Blickfang fungiert.

Im Vorfeld hatte ich mir nicht sonderlich viel unter diesem Film vorgestellt und meine Erwartungen auch bewusst recht niedrig gesteckt, doch letztlich hat sich der Kinobesuch definitiv gelohnt, denn das grandiose Zusammenspiel der Akteure überschattet doch die ein oder andere Witz-Schwäche des Films. Wer sich gern einem ironisch liebevollen Blick in seine Kindheit hingegen möchte ist mit „Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“ gut bedient, ein Nonstop Witz-Feuerwerk sollte man hier aber nicht erwarten.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Hellraiser (USA 2022)

    „Our gifts are boundless.“ – The Priest Kein Horrorklassiker ohne zeitgenössisches Remake. Oder Reboot. Im Falle von „Hellraiser“ hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Denn dem Original (1987) und seiner gelungenen ersten Fortsetzung (1988) folgten bis 2018 neun Sequels meist bescheidener Qualität. Allerdings verleitete auch die turbulente Produktionsgeschichte der Neufassung nicht zwingend zu Begeisterungsstürmen: Seit…

  • Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile. (USA 2009)

    Bei Filmen wie „Fast & Furious“ weiß man, was man bekommt. Es geht um Action, aufgedonnerte Karossen und deren möglichst spektakulären Einsatz auf der Piste. Einer schlüssigen Handlung bedarf das nicht. PS-geschwängerte Boliden ersetzen die Schauspieler, das Heulen der Motoren die Dialoge. Ein wenig mehr Mühe wollten sich die Macher mit Teil vier der Proleten-Saga…

  • James Bond 007: Skyfall (GB/USA 2012)

    Auch nach einem halben Jahrhundert bietet James Bond, der unverwüstliche Meisterspion des MI6, den Superschurken dieser Welt die Stirn. Allerdings mit deutlich mehr Narben auf Körper und Seele als früher. Dieser modernere, grimmigere und irgendwie auch realistischere Anstrich ist eng verbunden mit der Besetzung Daniel Craigs, der sich des Schattens seiner fünf Vorgänger unerwartet leicht…

  • Blood & Donuts (CAN 1995)

    „Am I employing retards? I have nothing against retards in general, I just can’t afford to employ them.” – Stephen Nicht erst seit Robert Rodriguez Hardcore-Fantasy „From Dusk Till Dawn“ ist der Vampir im Kino über die barocke Spukgestalt Bram Stokers hinausgewachsen. Das unterstreicht auch die kanadische No-Budget-Produktion „Blood and Donuts“. 1995 gedreht und bereits…

  • Hitman – Contract Killer (HK 1998)

    Bevor sich Jet Li („The Legend“) vor der Rückgabe der Kronkolonie Hongkong an China gen Hollywood verabschiedete, drehte er in der Heimat noch das krude Actionspektakel „Hitman“, hierzulande als „Contract Killer“ in gestraffter Version auf den Markt gebracht. Darin spielt er den gutmütigen, etwas einfältigen Fu, der seinen Lebensunterhalt gern als Auftragsmörder bestreiten würde. Doch…

  • Igor (USA/F 2008)

    Jedem bösen Wissenschaftler sein unterwürfiger Gehilfe. In den naiven Science-Fiction-Filmen der Schwarz-Weiß-Ära hießen sie gern Igor, trugen einen entstellenden Buckel und wurden unter Peitschenhieben dazu benutzt, in miefigen Laboratorien Hebel zu betätigen. Anthony Leondis („Lilo & Stitch 2“) hat diesen Chargen der unheiligen Forschung einen Animationsfilm gewidmet, der konsequenterweise den Titel „Igor“ trägt. Produziert wurde…