Kindsköpfe (USA 2010)

kindskoepfeJaja, Filme mit Adam Sandler sind lustig. Oder, wenn sich der immens erfolgreiche Berufsclown bemüht zu schauspielern, auch mal traurig. „Kindsköpfe“ hingegen zeigt den Superstar wieder einmal von seiner albernen Seite und stimmt dazu noch ein arg aufgesetzt wirkendes Hohelied auf Freundschaft und die kleinen Freuden des Lebens an. Dabei ist der auch von Sandler produzierte und obendrein mitverfasste Schwank kaum mehr als ein launiger Vorwand für eine Zusammenkunft seit vielen Jahren befreundeter Ex-„Saturday Night Life“-Komiker.

In der legendären TV-Comedy verdienten sich Sandler und seine Kumpel Kevin James („King of Queen“), Chris Rock („Head of State“), David Spade („Joe Dreck“) und Rob Schneider („Deuce Bigolow“) Anfang der Neunziger ihre Sporen in der Unterhaltungsbranche. Der gemeinsame Auftritt vor der Kamera dient ihnen offensichtlich als Bad in Erinnerungen und der Zelebration infantiler Neigungen. Die seien den Schauspielern gegönnt. Nur hätte es dafür kein rudimentär zusammengestoppeltes Skript mit geheuchelter Moral gebraucht!

1978 wurden fünf Freunde zu Champions im Junior High School-Basketball. Für einige von ihnen sollte es der Zenit des Erfolgs bleiben. Mehr als 30 Jahre später kommen sie auf der Beerdigung des einstigen Trainers wieder zusammen und verbringen mitsamt ihren Familien ein Wochenende in einem idyllischen Seehaus. Für Hollywood-Agent Lenny (Sandler) und insbesondere Designer-Gattin Roxanne (Salma Hayek, „Frida“) steht der Job aber vor der Auffrischung der alten Freundschaften.

Überhaupt stecken die Männer, egal ob beruflich durchgestartet oder nicht, in einer tiefen Midlife Crisis. Schwergewicht Eric (James) hadert damit, dass Frau Sally (wie die Hayek komplett vergeudet: Maria Bello, „A History of Violence“) dem vierjährigen Sohn noch immer die Brust gibt. Hausmann Kurt (Rock) fühlt sich von Gemahlin Deanne (Maya Rudolph, „MacGruber“) nicht für voll genommen. Der mehrfach geschiedene Exzentriker Rob (Schneider) muss sich fortwährend verspotten lassen und Aufreißer Marcus (Spade) lebt ambitionslos in den Tag hinein.

Doch für sich und vor allem den verhätschelten Nachwuchs entdecken die Jugendfreunde den unbeschwerten Lebensgeist wieder, ergehen sich in kindlicher Spielfreude und duellieren sich mit den Gegnern aus Schulzeiten (u.a. Steve Buscemi, „Fargo“) erneut auf dem Basketballfeld. Ohne roten Faden wechselt „Leg dich nicht mit Zohan an“-Regisseur Dennis Dugan zwischen wehmütigen Blicken auf die Enttäuschungen des Erwachsenenlebens und derben Kalauern hin und her. Zumindest die Zündkraft einiger Gags sichert den kurzweiligen Filmspaß, der aber zu unausgewogen zwischen Komik und Melancholie treibt, als dass er mehr sein könnte als die bloße Summe seiner inkohärenten Einzelteile.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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