The Long Kiss Goodnight – Tödliche Weihnachten (USA 1996)

the-long-kiss-goodnightDer aus Finnland stammende Filmemacher Renny Harlin hatte schnell den Ruf eines guten Action-Regisseurs inne. Früh pöbelte Andrew ‚Dice‘ Clay in „Ford Fairlane“, im Anschluß durfte Bruce Willis ein ganzes Flugzeug sprengen („Stirb langsam 2“) und auch ein Piratenschiff ließ Harlin genüsslich in die Luft fliegen. Genau jener „Die Piratenbraut“ aus dem Jahre 1995 ist so etwas wie sein Waterloo. Oder das des Filmstudios Carolco, welches Harlin mit seinem Mega-Flop versenkte.

Allerdings kam er ein Jahr später wieder, abermals mit seiner damaligen Ehefrau Geena Davis im Gepäck. Das Ergebnis war „The Long Kiss Goodnight“ (dt. „Tödliche Weihnachten“), ein launiger Actioner mit einem guten Duo Davis/Jackson. Der Film jedoch blieb aus kommerzieller Sichtweise ebenso hinter den Erwartungen zurück und nur etwa die Hälfte seiner Produktionskosten von 65 Mio. USD wurden eingespielt.

Vor einigen Jahren verlor die Lehrerin Samantha Caine (Geena Davis) ihr Gedächtnis. Seitdem lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in einer verträumten Kleinstadt. Nach einem Autounfall an Weihnachten wird Samantha von seltsamen Erinnerungen heimgesucht. Gleichzeitig hat der Privatschnüffler Mitch (Samuel L. Jackson) endlich eine Spur, bezüglich der Vergangenheit seiner Klientin Samantha, die ihn vor einiger Zeit mit Recherchen beauftragte. Gemeinsam versuchen sie nun die Vergangenheit zu enthüllen und stellen schnell fest, dass sie eine CIA-Agentin gewesen ist, die im Auftrag der Regierung mordete. Nachdem ihre alten Auftraggeber feststellen, dass Samantha noch lebt, setzen diese alle Hebel in Bewegung, die „Heimkehrerin“ zu stoppen.

Die Bestrebungen Renny Harlins, seine damalige Frau Geena Davis als Actionheldin zu etablieren, müssen nach den Ergebnissen von „Die Piratenbraut“ und „Tödliche Weihnachten“ schlichtweg als gescheitert angesehen werden. Dabei sind beide Filme nicht einmal schlecht, letzterer im Grunde sogar richtig gut. Harlin versteht schließlich sein Handwerk, im Actionmetier fühlt er sich heimisch. Das Drehbuch von Shane Black („Kiss Kiss, Bang Bang“) mag nicht das ausgefeilteste sein, dennoch hat das Genre schon dümmere Geschichten erlebt. Harlin schickt sein Doppelpack Geena Davis („Thelma & Louise“) und Samuel L. Jackson („Pulp Fiction“) auf eine neunzigminütige Achterbahnfahrt, bei der so ziemlich alles zu Bruch geht, was zu Bruch gehen kann. Die Action geht weit über soliden Status hinaus, auch mit einigen Härten geizt Harlin mitnichten.

Dennoch offenbart der Film auch einige Schwächen. Zu dem Zeitpunkt, als Geena Davis zur eiskalten Killerin (inkl. optischer Veränderungen) mutiert, wird sie arg unglaubwürdig und wirkt zu gewollt auf cool getrimmt. In ihren verletzlicheren Momenten nimmt man ihr die Rolle mehr ab. Das Zusammenspiel mit Jackson funktioniert dennoch, wenn auch dieser teilweise schon bessere Sprüche geklopft hat. Dafür wird dieser quasi als Running Gag permanent geschunden, verprügelt und angeschossen, bis ihm der rote Saft gen Ende nur noch aus dem Mund sprudelt. Das kitschige Happy End wäre dann nicht unbedingt nötig gewesen, hier wollte Harlin wohl aber noch ein paar Punkte beim breiteren Publikum sammeln. Geholfen hat es ihm wenig.

Man darf sich gerne an die Filme von Renny Harlin aus den 90ern erinnern, heute sind die Arbeiten des Finnen eher selten geworden („Der Exorzist“). Wenngleich sein „Tödliche Weihnachten“ auch kein Klassiker ist, so darf immer wieder gern auf diesen Film zurückgegriffen werden. Ein Garant für gute Action ist er allemal.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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