The Illusionist (USA/CZ 2006)

the-illusionistPlötzlich lag Magie in der Luft. Zwei Filme buhlten im amerikanischen Kinojahr 2006 mit Geschichten um Zauberkünstler und Illusionisten um die Gunst des Publikums. Der erste, „The Illusionist“, startete im August, der zweite, „The Prestige“, im Oktober. Das Nachsehen hatte, kreativ wie wirtschaftlich, der Erstangelaufene. In Deutschland wurde er, im Gegensatz zum direkten Konkurrenten, erst gar nicht auf großer Leinwand gezeigt. Bedauerlich ist das allen voran wegen der prächtigen Ausstattung, die das kaiserliche Österreich zur Jahrhundertwende in Bauten und Kostümen aufleben lassen.

Vor diesem historischen Ambiente kehrt der Illusionist Eisenheim (Edward Norton, „American History X“) in seine Wiener Heimat zurück. In der Fremde hat er sein Handwerk perfektioniert, was ihm rasch gesteigerte Aufmerksamkeit von Bevölkerung und Aristokratie zusichert. Dabei begegnet er auch seiner unerfüllten Jugendliebe Sophie (Jessica Biel, „Blade: Trinity“) wieder, die mit dem Kronprinzen Leopold (Rufus Sewell, „Tristan + Isolde“) liiert ist. Eisenheim gerät mit dem Thronfolger aneinander, was ihn ins Visier des ergebenen Inspektors Uhl (Paul Giamatti, „Lady in the Water“) bringt, der ihn als Scharlatan entlarven soll.

Die sehenswerte Mischung aus Romantik-Drama und Mystery-Thriller bleibt schauspielerisch ohne Tadel. Jedoch fehlt es „The Illusionist“ an konstanter Spannung, um das Publikum über die volle Distanz an die mitunter flache Dramaturgie zu fesseln. Der Beginn verfügt über märchenhafte Züge, wenn sich die Liebe zwischen Adelstochter und Bürgersohn nicht erfüllen kann, woraufhin er in die Welt hinauszieht und seine Chance in der Zukunft wahrt. Die Nähe, die Sophie und Eisenheim nach seiner Rückkehr suchen, erhitzt das Gemüt des Regenten in spe. Doch der Kampf um die Zuneigung der gleichen Frau führt zur Katastrophe.

Der entrückte Edward Norton, dem Ruf des brillanten Akteurs seit Jahren von einem kaum beachteten Projekt zum nächsten nacheilend, überzeugt als trauriger Zauberkünstler. Doch fehlt es ihm, wie den übrigen Figuren an Tiefe, um den finalen Kniff über das Maß konventioneller Hollywoodkost hinaustragen zu können. Dass der von Neil Burger („Interview with the Assassin“) nach einer Kurzgeschichte von Steven Millhauser inszenierte Film auf eine schlussendliche Finte hinauslaufen muss, resultiert bereits aus der Thematik. Entsprechend müssen Verdachtsmomente geschürt und Erwartungen erfüllt werden. Da aber liegt das Problem, erweist sich die Enträtselung der Ereignisse doch als zu konstruiert, um nachhaltig überzeugen zu können. Insgesamt trickreich, aber nur bedingt magisch.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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