Systemo – Zehne verdauen (2017, Abbruch Records)

Die Jungspunde werden erwachsen. Oder: SYSTEMO feiern zehnjähriges Bandbestehen. Gratulation! Trotzdem bleibt das sympathische Berliner Trio ein zweischneidiges Schwert. Treibender, melodischer und oft hymnischer Punk-Rock mit unzweifelhaftem songschreiberischem Geschick stehen Pennälertexte ohne tieferen Bedeutungshorizont gegenüber. Doch die Rechnung geht auf. Zumindest meistens. Das trifft auch auf die in schnoddriger Mundart betitelte Jubiläums-Platte „Zehne verdauen“ zu.

Die bietet 14 Tracks meist älteren Ursprungs, die wahlweise neu eingespielt, neu eingesungen und/oder mit überarbeiteten Texten versehen wurden. Das Gros der Beiträge entstammt dabei der 2010 eigenveröffentlichten Debüt-Platte „Verdauen“. Dass die Stücke bereits ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, macht sich soundtechnisch aber nur vereinzelt bemerkbar, etwa beim „Youtube-Song“.

Ein paar echte Knaller haben SYSTEMO zweifelsfrei im Gepäck: „Helden sein“, die Kurt-Tucholsky-Hommage „Krieg dem Kriege“, „Die Nacht in unseren Köpfen“ oder „Einfach nur da“. Hier zeigen sich die Jungs ernster, reifer und – im Falle des Letztgenannten – von einer obsessiv-morbiden Seite. Gut ins Ohr gehen auch das momentweise holprige „Eins will ich wissen“, „Wegen dir“ oder das humorig pseudophilosophische „Bierficken“.

Dem gegenüber stehen aber einmal mehr Songs, bei denen das Dreigespann kaum mehr als ein Achselzucken forciert – etwa „Scheiß Security“, „Pornostar“ oder „Lesbe“. Trotzdem ist „Zehne verdauen“ eine insgesamt gelungene Scheibe, weil auch diesmal die positiven Eindrücke überwiegen und es selbst bei schwächeren Nummern stets gute Momente gibt. Mit dem auf der Innenseite des Backcovers abgedruckten Kreuzworträtsel wird die investierte Mühe auch über die Musik hinaus spürbar. So kann die nächste Dekade gern kommen.

Wertung: 6.5 Stars (6,5 / 10)

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