Los Bierholn – Alles andere ist verboten! (2016, Abbruch Records)

los-bierholn-alles-andere-ist-verboten„Ohne Sinn ist diese Lied – und das ist was ihr von uns kriegt…“ – ‘Gegröle und Bumsmusik‘

Da ist er wieder, der deutschsprachige Asi-Punk. Er ist sich für keine Fäkalzote zu schade und betrachtet das Saufen nicht allein als launigen Zeitvertreib, sondern stempelt es vielmehr zum Antrieb des Seins. Nach diesem Muster haben es Bands wie die (mächtigen) KASSIERER oder die LOKALMATADORE zu Ruhm und Bierplauze gebracht. An den lässigen Punk-Schlagerstil der Zweitgenannten knüpfen auch LOS BIERHOLN (bitte mit südländischem Akzent aussprechen) an, deren Debütalbum „Alles andere ist verboten!“ aber vor allem eines vermissen lässt: beständige Kurzweil.

Der erste reguläre Song, „Gegröle und Bumsmusik“, gibt die Richtung vor. Simple Texte und Punk zwischen rollendem Rock und Festzeltgeschunkel bilden die Essenz der Scheibe. Sympathiepunkte sammeln die Bremer durch Parallelen zum Fun-Punk der MARIONETZ. Das beweist bei Songs wie „Lass gut sein Dieter“, „Und was ist mit Bratwurst?“,  „Schweinedisko“, „Bier-Bauch-Boogie“, „Sprach der Vater zu dem Sohne“ oder „Flotter Otto“  Humor auf tiefergelegtem Niveau. Nur erschöpft sich der Flachwitzerguss immer wieder in einer Mixtur aus Gleichklang und Belanglosigkeit. Dabei ist bezeichnend, dass einer der besten Songs, „Zwei Pullen Korn“, ein Cover der ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN ist.

Mit 24 Tracks scheint die Platte zunächst übermäßig üppig bestückt. Abzüglich Ansprachen im Nachrichtenstil (die Liebespartei dominiert die Anti-Debatte) und kurzen Blödeleien pendelt sich die Zahl tatsächlicher Musikstücke aber letztlich in einem weniger ausufernden Maß ein. Auf manche Tracks trifft das indes nicht zu. Das Ende zieht sich, die ewige Wiederholung des Refrains strapaziert den Geduldsfaden. Parodistisches Potenzial offenbaren LOS BIERHOLN derweil mit der Schlager-Verulke „Bums mit mir Senorita“ und „Fußgeruch“, einer überschaubar spaßigen Persiflage des charakteristischen RAMMSTEIN-Sounds. So bleibt eine Platte, die unter erhöhtem Alkoholeinfluss vermutlich massiv an Unterhaltungswert zunimmt, nüchtern aber eine Spur zu häufig den Griff zur Vorschalttaste als Spaßbeschleuniger forciert.

Wertung: (5,5 / 10)

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