Suicide Squad (USA 2016)

„Huh? What was that? I should kill everyone and escape? Sorry. The voices. Haha, I’m kidding! Jeez! That’s not what they really said.“ – Hörig: Harley Quinn

Nein, „Suicide Squad“ ist kein guter Film. Zu viele Figuren, Alibihandlung, überflüssiger Effekt-Overkill. Viele Kritiker ließen bei ihrer heftigen Schelte gegen den gnadenlos übertriebenen Comic-Kracher jedoch außer Acht, dass das Schaulaufen der Anti-Helden zumindest munter die Zeit vertreibt. Wenn auch nur so lange, wie man als Zuschauer bereit ist, über die eklatanten Mängel hinwegzusehen. Das fällt zugegebenermaßen nicht immer leicht. Aber DC hat den strapazierfähigen Superhelden-Fan mit „Batman vs Superman“ bereits auf das vorbereitet, was als Konkurrenz zum Marvel-Universum etabliert werden soll: Ein verflochtener Franchise-Kosmos mit bestenfalls überschaubarem Sinn für Dramaturgie und Logik.

Wo Comic- und Kinokonkurrent Marvel meist die Balance zwischen Brimborium und plastischen Charakteren findet, werden unter dem DC-Siegel bislang Werke präsentiert, die den Eindruck eines verfilmten Brainstorming-Protokolls erwecken. Entsprechend zusammenhanglos mutet das von David Ayer („Herz aus Stahl“) verfasste und inszenierte Ideen-Potpourri an, dessen Alibi-Charakter kaum mehr als eine Freifläche für die Einführung betont schräger Anti-Helden schafft. Die werden in einer gestreckten Exposition vorgestellt, bei der Licht und Schatten dicht beieinander liegen – und Ben Affleck in kurzen Gastspielen die Gelegenheit bietet, das Publikum an den neuen Batman zu gewöhnen. Doch er bleibt lediglich ein Zaungast in der von Zack Snyder („Watchmen“) produzierten Blockbuster-Banalität, die als prägnantesten Charakter die dem Joker verfallene Ex-Psychiaterin Harley Quinn (Margot Robbie, „The Legend of Tarzan“) in die Manege wirft.

Der zynische Spaßmacher wird von Oscar-Preisträger Jared Leto („Dallas Buyers Club“) verkörpert. Der um rund 12 Minuten verlängerte Extended Cut gewährt vor allem ihm mehr Raum zur Entfaltung. Den ohnehin üppig gedehnten Plot bringt das allerdings auch nicht weiter. Dass Leto im Schatten des tragisch verstorbenen Heath Ledger stehen würde, der den Joker in „The Dark Knight“ brillant interpretierte, war vom Fleck weg ersichtlich. Mit gepflegt psychopathischer Ader, anarchischer Punk-Attitüde und Metallzähnen besetzt er seine eigene Nische. Nur profitiert „Suicide Squad“ kaum von seiner Präsenz. Das gilt im Übrigen auch für das Gros der schlagkräftigen Außenseiter. Neben Robbie kommt Will Smith („Erschütternde Wahrheit“) als Scharfschütze Deadshot noch am besten weg. Allerdings wird sein markiger Mietmörder durch die ihm alles bedeutende kleine Tochter moralisch zweckfremd geerdet. Überhaupt scheint es beinahe, als fehle Ayer der Mut, sein bizarres Himmelfahrtskommando über Gebühr als gemeingefährlich zu brandmarken.

Der Rest der asozialen Truppe ist zwar nicht frei von Belang, lässt aber den nötigen Wiedererkennungswert vermissen. Das verdeutlichen neben dem stereotyp benannten australischen Kraftprotz Captain Boomerang (Jai Courtney, „Die Bestimmung“) auch der per Gedankenkraft Feuer entfachende El Diablo (Jay Hernandez, „Hostel“) oder Krokodilmensch Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje, „Pompeii“). Die toughe Regierungsbeamtin Amanda Waller (Viola Davis, „Ender’s Game“) rekrutiert den inhaftierten Zirkus, um gegen Hafterleichterung eine schlagkräftige (und entbehrliche) Spezialeinheit für die ganz riskanten Missionen zu formen. Doch anstatt mit einem eher bodenständigen und am Rande abgehandelten Initialeinsatz um die Ecke zu kommen, steht mal wieder die Rettung des gesamten Planeten auf dem Programm. Der wird vom Geist einer Hexen-Göttin bedroht, die sich im Körper der Archäologin June Moone (Cara Delevingne, „Margos Spuren“) eingenistet hat und nicht weniger als die Unterwerfung der Menschheit im Sinn hat.

Im damit verbundenen Actiongewitter bleibt kaum Zeit, die verschiedenen Protagonisten gebührend einzuführen. Das trifft auch auf den mit June liierten Offizier Rick Flagg (Joel Kinnaman, „RoboCop“) zu, der den illustren Knacki-Zirkel im Zaum halten soll und dabei von der japanischen Schwertschwingerin Katana (Karen Fukuhura) unterstützt wird. Die grundlegende Substanzlosigkeit, die sich über Zwistigkeiten untereinander und die Bedrohung durch die Monsterarmee der nach Allmacht strebenden Hexe einem seelenlos standardisierten Showdown entgegenhangelt, kann durch die prominente Besetzung kaum aufgewogen werden. Das trifft insbesondere auf zu Stichwortgebern degradierte Nebendarsteller wie David Harbour („Stranger Things“), Adam Beach („Cowboys & Aliens“) oder Jim Parrack („True Blood“) zu. Überzeugungsarbeit leisten neben den Effektdesignern vor allem die Oscar-nominierten Make-Up-Künstler. Als Stützpfeiler ist das aber selbst für einen aufgeblasenen Blockbuster wie „Suicide Squad“ zu wenig.

Wertung: 5.0 Stars (5,0 / 10)

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